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Moses Treff, *1874

ausgewiesen 1938 nach Polen
Schicksal unbekannt


Sebaldsbrücker Heerstr. 55
Bremen-Hemelingen


Sebaldsbrücker Heerstr. 55 - Weitere Stolpersteine:


Moses Treff

geb. 28.12.1874 Dukla

Moses Treff war mit Feige Mindele Pasternack, geb. 1881 in Kerczyna, verheiratet. Er war Kaufmann und mit seiner Familie 1912 von Nordenham nach Bremen zugezogen. Er hatte einen „Handel mit Kurz-Galanterie- und Weißwaren“ als Gewerbe angemeldet. 1919 kam noch „Handel mit Produkten (Säcke etc.)“ hinzu. Das Gewerbe „Handel mit Kurz-, Galanterie- und Weißwaren“ wurde am 12.10.1938 abgemeldet. In einer Auskunft des Stadt- und Polizeiamtes aus dem Jahre 1961 wies man daraufhin, dass die Abmeldung des zweiten Gewerbes, nach seiner Ausweisung, unterblieben sei.

Moses Treff wurde am 28./29.10.1938 nach Polen abgeschoben. Nach Angabe seiner Tochter Cecylia war er zunächst in Zbaczyn (Bentschen) interniert. Nach seiner dortigen Entlassung lebte er in Krakau. Von dort wurde er am 29.11.1940 nach Zwierzyniec deportiert. Hier befand sich ein Durchgangslager zum Vernichtungslager Belzec. Sein weiteres Schicksal ist nicht bekannt.
Im November 1919 wurde seine Ehefrau Feige in die Nervenklinik der Städt. Krankenanstalt in Bremen, Ellener Dorfstraße 1/11, aufgenommen. Sie wurde am 23.9.1938 „entlassen“; der letzte Eintrag in ihrer Krankenakte lautet: „Pat wurde heute mit 2 Begleitpersonen in eine polnische Anstalt transportiert.“ Ihr weiteres Schicksal ist nicht bekannt.

Moses Treff und seine Ehefrau Feige wurden auf den 8.5.1945 für tot erklärt.

Die Tochter Ides (Ida) befand sich seit 1936 in der Nervenklinik der Städt. Krankenanstalt in Bremen und wurde Opfer des Euthanasie-Programms. Sie wurde am 27.9.1940 in die "Landespflegeanstalt" Brandenburg/Havel verlegt und dort ermordet.

Die Tochter Cypre wurde wie der Vater am 28./29.10.1938 nach Polen abgeschoben. Am 16. März 1941 wurde sie von Krakau in das Ghetto Brzesko deportiert. Ihr weiteres Schicksal ist nicht bekannt. Cypre Treff wurde auf den 8.5.1945 für tot erklärt.

Die Tochter Cecylia , die in Hannover aufwuchs, wanderte im September 1938 nach England und von dort in die USA aus.

Im Haus Sebaldsbrücker Heerstraße 55, in dem Familie Treff wohnte, befand sich außerdem das Bethaus, die „Schul“, der so genannten Ostjuden. Es wurde von der in Bremen gegründeten ostjüdischen Gemeinde „Beth Hamidrasch Schomre Schabbos“ (Haus der Schabbath-Hüter) geführt.

Kinder:
Ides (Ida), geb. 1901 in Kerczyna
Rosa, geb. 1903, verst. 1925 in Bremen
Cypre (Rena/Regina), geb. 1906 in Dukla
Cecylia (Cilly), verh. Galibof, geb. 1913 in Bremen (überlebt)


Verfasser:
Peter Christoffersen (2011)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E11109
A. Dünzelmann in: Timm et.al., Hastedt, Band 4, Bremen 1990

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Polenaktion
Glossarbeitrag Ostjüdische Gemeinde