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Julius Bamberger, *1880

Versteckt gelebt, 1936 Flucht Schweiz, 1937 Frankreich, 1941 USA
überlebt


Parkallee 44
Bremen-Schwachhausen

Verlegedatum: 11.10.2013


Parkallee 44 - Weitere Stolpersteine:


Julius Bamberger

geb. 17. März 1880 in Schmallenberg

Julius Bamberger wuchs zusammen mit seiner älteren Schwester Selma und seinem jüngeren Bruder Curt im Sauerland auf. Seine jüdischen Eltern betrieben eine Landwirtschaft neben der Schmallenberger Synagoge, die von seinem Großvater Mendel Bamberger erbaut worden war.

1885 verkauften seine Eltern die Landwirtschaft und zogen mit der Familie nach Köln. 1986 Einschulung an einer jüdischen Schule. Ab 1890 Besuch der Oberrealschule. Er lernte Französisch, Englisch und Spanisch. Er war unter 69 christlichen Mitschülern der einzige Jude. 1896 Beginn einer Lehre in Krefeld in der Firma seines Onkels. Er besuchte eine Abendschule für Materialkunde, Hand- und Stuhlweben.

1900 kehrte er nach einem einjährigen Militärdienst zurück nach Köln. Weitere Stationen sind Dortmund, Zwickau und Leipzig als Angestellter in großen Kaufhäusern. 1907 gründete Julius Bamberger an der Doventorstraße im Stephaniviertel sein eigenes Kaufhaus Julius Bamberger. Ein Quartier, der Handwerker, Fischer und Schiffer.

Im Sommer 1914 heiratete Julius Bamberger Thekla Frieda Rauh in Oslo. Sie war Christin. 1923 adoptierten beide die zweijährigen Zwillinge Anni Lieselotte und Egon Johannes.

Nach Erweiterungen seines Geschäftes in den zwanziger Jahren zur Faulenstraße eröffnete er 1929 das erste moderne große Kaufhaus, von den Bremern Bambüddel genannt – abgeleitet von dem plattdeutschen Begriff „Büdel“ für Beutel -. Es war ein Kaufhaus der „kleinen Leute“ und besaß neun Stockwerke und die erste automatische Rolltreppe.

Wirtschaftliche Probleme und auf Aufrufe der NSDAP, jüdische Geschäfte zu boykottieren, ließen die Umsätze Anfang der 1930er Jahre stark fallen. Im April 1933 wurde er für mehrere Wochen inhaftiert. 1937 wurde die Firma aufgelöst, das Gebäude 1939 zwangsversteigert. 1945 wurde das Kaufhaus Julius Bamberger ausgebombt.

1937 flüchtete Bamberger in die Schweiz, seine Kinder lebten dort im Internat, von dort zu seinem Bruder nach Paris. Gemeinsam mit ihm eröffnete er ein Geschäft für Sportbekleidung. Seine Frau Thekla Frieda, von ihm Friedel genannt, blieb in Bremen zurück und flüchtete 1940 in den Tod.

Nach der Besetzung Frankreichs erneute Verhaftung Bambergers. Nach Haftentlassung emigrierte er mit seinen beiden Kindern 1941 über Spanien und Portugal in die USA.

Seine Versuche nach dem Krieg , sein Kaufhaus wieder zu bekommen, scheiterten. Er wurde mit 50.000 DM abgefunden.

1944 Eröffnung eines Juweliergeschäfts in San Francisco, 1950 Aufgabe des Geschäfts aus Krankheitsgründen. Julius Bamberger starb 1951 im Alter von 71 Jahren während eines Besuches bei seiner Tochter in Los Angeles.

Kinder:
Anni Lieselotte, geb. 30.04.1921 in Berlin, lebt in Los Angeles
Egon Johannes, geb. 30.04.1921 in Berlin, gestorben 30.04.1984 in San Fransisco

Verfasser:
Kirsten-Contance Gosau/Eike Besuden (2014)

Informationsquellen:
Julius Bamberger (in www.wikipedia.de)
Günther Rohdenburg, „Das war das neue Leben“. Leben und Wirken des jüdischen Kaufhausbesitzers Julius Bamberger und seiner Familie, Bremen 2000
Eike Besuden, Aufgeben? – Niemals! – Die Geschichte der Familie Bamberger, 65-minütiges Doku-Drama, Pinguin Studios, 2012

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Haftstätten in Bremen
Glossarbeitrag Gurs
Glossarbeitrag Rassengesetzgebung
Glossarbeitrag Auswanderung
Glossarbeitrag Entschädigung / Rückerstattung