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Egon Bamberger, *1921

Flucht 1935 Schweiz, 1937 Frankreich, 1941 USA
überlebt


Parkallee 44
Bremen-Schwachhausen

Verlegedatum: 11.10.2013


Parkallee 44 - Weitere Stolpersteine:


Egon Bamberger

geb. 30.04.1921 in Berlin

Egon und seine Zwillingsschwester Anneliese wurden in Berlin von der „ledigen Verkäuferin“ Emma Essmann geboren.
Er kam 1922 zusammen mit seiner Schwester nach Bremen zu Julius und Friedel Bamberger in die Georg-Gröning-Straße 26 in Pflege. 1923 wurden sie vom Ehepaar Bamberger adoptiert und trugen fortan den Namen Bamberger. Auf der Meldekarte wurde als Religion zunächst „mos.“ für mosaisch angegeben, später gestrichen und mit „di.“ für dissident überschrieben, was soviel wie konfessionslos bedeutete.

Die Vaterschaft ist nicht sicher bekannt, ehemalige Klassenkameraden berichteten, dass sie davon ausgingen, dass Julius Bamberger der leibliche Vater sei. 1927 Einschulung in die Grundschule an der Schillerstraße, 1931 bis zur Quinta Besuch der Schule an der Hermann-Böse-Straße, danach bis zur Quarta des Privatgymnasiums Bohrmann.

Zusammen mit seiner Schwester Anneliese wurde er 1935 in das Schweizer „Internat Fischer“ eingeschult. Unterstützung fanden die beiden bei ihrer Tante Selma Ury (Schwester von Julius Bamberger), die sich mit ihrem Mann häufig zur Kur in der Schweiz aufhielt. Nach der Flucht Julius Bambergers 1937 in die Schweiz und anschließend nach Paris zu seinem Bruder Curt holte er seine beiden Kinder nach.

Egon und sein Vater wurden nach Kriegsbeginn 1939 in Colombes bei Paris interniert. Seine Bewerbung zur Fremdenlegion wurde wegen seines zu geringen Gewichts abgelehnt. Es gelang ihm, sich Ausweispapiere zu beschaffen, die ihn als französischen Soldaten ausweisen. Nach zahlreichen weiteren Schwierigkeiten gelang ihm im September 1941 zusammen mit seinem Vater und seiner Schwester die Flucht über Spanien und Lissabon in die Vereinigten Staaten.

Die ersten Monate in New York wohnten sie zusammen bei einem ehemaligen Stellvertreter seines Vaters, der schon in den 30er Jahren emigrierte. Er fand Arbeit in einem Kaufhaus. Egon Bamberger wurde 1943 zum Militär eingezogen und wurde so zum amerikanischen Staatsbürger. 1944 heiratete er Liesel Stern, die er noch aus Bremen kannte. Sie besuchte dieselbe Schule wie seine Schwester. Noch im März 1945 kam er als Soldat nach Europa zurück, um am Befreiungskampf teilzunehmen.

Nach Rückkehr aus dem Krieg zog er mit seiner Frau und seiner Schwiegermutter nach San Francisco, wo inzwischen auch sein Vater und seine Schwester lebten. Zunächst arbeitete er als Juwelier, wurde dann Versicherungsagent, ein Beruf der mehr seinen Neigungen nach Kontakt zu Menschen entsprach. Er setzte sich für gewerkschaftliche Rechte, bessere medizinische Versorgung und höhere Renten ein. Er starb im April 1984, vier Monate nach dem Tod seiner Frau.

Kinder:
Jenifer Dahlstrom
Jules Bamberger

Verfasser:
Kirsten-Constance Gosau/Eike Besuden (2014)

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Auswanderung
Glossarbeitrag Entschädigung / Rückerstattung