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Metha Eppenstein, geb. Seemann, *1881

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Fliederstr. 41b
Bremen-Hemelingen


Fliederstr. 41b - Weitere Stolpersteine:


Metha Eppenstein

geb. 2.5.1881 in Niedersachswerfen

Met(h)a (genannt Gertrud) Eppenstein, geb. Seemann, wurde in Niedersachswerfen in Thüringen geboren. Sie war die Tochter von Hermann Seemann und seiner Ehefrau Golda, geb. Hirsch. Am 7.4.1907 heiratete sie in Ohrdruf/Thüringen Max Eppenstein (geb. 18.3.1877) aus Königsberg i. N M. Beide waren jüdischen Glaubens. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor: Manfred (geb. 21.8.1910 in Halberstadt), Elfriede (geb. 10.5.1912 in Artern/Sangershausen), Wolfgang (geb. 24.6.1914 in Twistringen) und Marga (geb. 17.4.1916 in Twistringen). Ihr Ehemann war selbständiger Vertreter (Reisender). Es ist nicht bekannt, für welche Waren.

Die Familie siedelte 1924 von Twistringen nach Bremen über und wohnte in der Kölner Straße 89 (heute: Überseestadt). Das Ehepaar lebte seit 1929 getrennt und ließ sich 1934 scheiden. Meta Eppenstein blieb mit ihren beiden jüngsten Kindern bis 1939 in der Kölner Straße wohnen. Am 9.8.1939 erfolgte die zwangsweise Umquartierung in die Fliederstraße 41b. Da diese Wohnung deutlich kleiner war als die 4-Zimmer Parterre-Wohnung in der Kölner Straße, mussten etliche Möbel unter Wert verkauft werden. Der Möbelverkauf diente gleichzeitig der Existenzsicherung. Sie belegten die Wohnung der Familie Tymberg (Reifer), die im November 1938 im Rahmen der Polenaktion ihr Haus verlassen musste.

Nachdem der Familie ihre Deportation in den Osten angekündigt war, tauschte und verkaufte Meta Eppenstein ihre Einrichtungsgegenstände gegen warme Kleidungsstücke. Eine Nachbarin konnte später berichten, dass sie nur mitgenommen hätten, was in zwei Rucksäcken getragen werden konnte. Nach ihrem "Auszug" sei die Wohnung leergeräumt gewesen.

Der Sohn Manfred wurde während des Novemberpogroms verhaftet und war vom 10.11.1938 bis zum 15.1.1939 im KZ Sachsenhausen interniert. Er war Kellner von Beruf.

Die Tochter Elfriede war mit Edgar Rossbach (geb. 1907) aus Harpstedt verheiratet. Das Ehepaar wohnte gleichfalls in der Fliederstraße.

Der Sohn Wolfgang (später: Seew) war Schlosser geworden und wanderte am 25.9.1934 nach Palästina aus. Dort heiratete er 1936 Ilse Cohn. Von 1942 bis 1946 war er Soldat in der englischen Armee.

Die Tochter Marga, Schuhverkäuferin von Beruf, meldete sich am 30.11.1938 in das Hachscharah-Ausbildungslager Schniebinchen bei Sommerfeld in der Niederlausitz ab. Sie erhielt 1939 einen zeitlich befristeten Reisepass und wanderte, von Köln kommend, im Jahr 1940 illegal in Palästina ein. Sie ist auf der Passagierliste der M.S. Patria zu finden, einem Auswandererschiff, das nach Sprengung in der Bucht von Haifa am 25.11.1940 sank. Eine jüdische Untergrundorganisation wollte durch eine Beschädigung des Schiffes einen Weitertransport nach Mauritius verhindern. Das misslang, das Schiff versank und riss 270 Flüchtlinge mit in den Tod. Unter den 2.000 Überlebenden, denen zunächst die Einreise nach Palästina verweigert wurde, befand sich Marga Eppenstein. Sie heiratete 1942 in Palästina und lebte später als Marga Brand in New York.

Wenige Tage vor ihrer Deportation schrieb Meta Eppenstein am 16.11.1941 über
das Rote Kreuz eine Karte an ihre Kinder in Palästina: „Alle gesund; Manfred, Elfriede, Edgar reisen zusammen. Neue Adresse folgt. Wo ist Marga? Bei Euch, lb. Wolfgang und Ilse? Grüße und Küsse – Mama, Manfred, Elfriede, Edgar.“

Meta und Manfred Eppenstein sowie Elfriede und Edgar Rossbach wurden am 18.11.1941 von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurden sie ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer.

Auch ihr geschiedener Ehemann Max Eppenstein wurde mit demselben Transport nach Minsk deportiert und kam dort um.


Verfasser:
Peter Christoffersen (2013)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akten 4,54-E10439, 4,54-E 9924, 4,54-E11233, 4,54-E 11285, 4,54-Rü5816, Einwohnermeldekartei
Bundesarchiv, Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945
www.ushmm.org (Holocaust Survivor & Victim Database Washington)

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Minsk