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Isaak Lundner, *1898

Flucht 1939 nach Belgien interniert im Lager Malines
ermordet in Auschwitz


Hastedter Heerstr. 202/204
Bremen-Hemelingen
ehemalige Straßenbezeichnung: Hastedter Heerstr. 334


Hastedter Heerstr. 202/204 - Weitere Stolpersteine:


Isaak Lundner

Isaak Lundnergeb. 22.8.1898 in Chrzánow

Isaak Lundner war der Sohn von Juda Wolff und Sara Lundner, Fliederstraße 41. Er war das zweite von zehn Kindern.

Er besuchte die Volksschule und anschließend die Handelsschule. Danach war er im Geschäft seines Vaters, einem Sackhandel, beschäftigt. Im Ersten Weltkrieg verwundet, kehrte er in das väterliche Geschäft zurück. 1923 ließ Isaak sich in Halberstadt nieder, um sich selbstständig zu machen. Hier lebte auch sein Bruder Jakob Lundner mit seiner Frau Klara, geb. Bachman, und zuletzt sieben Kindern.

1923 heiratete er Frieda Kraismann (geb. 1899 in Lodz). Aus ihrer Verbindung gingen fünf Kinder hervor: Julius (geb.1924), Zilla (geb.1926), Berta (geb.1927), Salomon (Sally) (geb.1928) und Ruth, (geb.1935 in Bremen).

Bereits in den 1920er Jahren hatte der Vater Juda Wolff die Zuzugsgenehmigung nach Bremen für seinen Sohn beantragt. Doch erst 1930 konnte Isaak Lundner mit Familie nach Bremen ziehen, wo er unter der Geschäftsadresse seines Vaters, Fliederstraße 41a, neben einem Sackgeschäft einen Wäscheversand anmeldete. Letzteren meldete er aber noch im selben Jahr wieder ab.

1930 wurde ihm die polnische Staatsangehörigkeit aberkannt. Er war somit staatenlos. Obwohl Isaak Lundner als sehr fleißig und rührend besorgt um seine Familie galt, wurde er im Februar 1935 arbeitslos und war auf Arbeitslosen- und Fürsorgeunterstützung angewiesen. Die jüdische Gemeinde zahlte einen geringen Mietzuschuss, dafür musste er Pflichtarbeiten ableisten.

In der Pogromnacht vom 9./10.1938 wurde Isaak Lundner verhaftet und nach kurzem Aufenthalt im Zuchthaus Bremen-Oslebshausen im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Am 13.12.1938 wurde er entlassen, vermutlich mit der Auflage umgehend zu emigrieren. Im Februar 1939 meldete er sich nach Brüssel ab. Seine Familie blieb in Bremen. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Belgien im Jahr 1940 wurde er dort verhaftet und im Sammellager Malines/Mechelen interniert. Am 4.8.1942 wurde in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und später dort ermordet.

Frieda Lundner wurde am 18.11.1941 zusammen mit ihren fünf Kindern und ihrer Schwester Selda Jakubowicz in das Ghetto Minsk deportiert und fand dort den Tod. Sie wurde nach Kriegsende für tot erklärt.

Juda Wolff und Sara Lundner hatten zehn Kinder und 26 Enkel. Nur die Kinder Arnold und Rosa sowie Adolf mit seiner Familie entkamen durch Flucht und überlebten. Drei Generationen mit dem Familiennamen Lundner, bestehend aus 42 Menschen, wurden ausgelöscht. Sie ließen ihre Leben in Auschwitz, Minsk, dem Ghetto Warschau sowie an unbekannt gebliebenen Orten.

Kinder:
Julius, geb.1924 in Halberstadt
Zilla, geb.1926 in Halberstadt
Berta, geb.1927 in Halberstadt
Sally, geb.1928 in Halberstadt
Ruth, geb.1935 in Bremen

Verfasser:
Bernhard Lieber (2011)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Novemberpogrom
Glossarbeitrag Sachsenhausen
Glossarbeitrag Malines / Mechelen
Glossarbeitrag Auschwitz
Glossarbeitrag Minsk

Familienübersicht als PDF