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Anneliese Röttgen, *1934

Deportiert 1941
Ermordet in Minsk


Schillerstraße 14
Bremen-Mitte

Verlegedatum: 30.09.2014


Schillerstraße 14 - Weitere Stolpersteine:


Anneliese Röttgen

geb. 3.12.1934 in Bremen

Anneliese Röttgen war die Tochter von Emmy Röttgen (geb. 1900 in Niedersprockhövel). Ihr Vater ist nicht bekannt. Ihre Mutter war bis 1932 mit Karl Schuler und ab dem 28.6.1939 mit Walter Stempel verheiratet gewesen.

Ihre Mutter hatte Kontoristin gelernt und war 1929 aus ihrem Heimatort nach Bremen gezogen. Als sie im Februar 1935 Bremen vorübergehend verließ, brachte sie ihre Tochter Anneliese bei der Familie Busche in der Bornstraße 53 unter. Alfred Busche war Musiker und ließ sich mit dem Familiennamen Möller nennen. Dort blieb sie bis Juni 1940. Mit ihrer Eheschließung zog das Ehepaar Stempel in das Gemeindehaus Kohlhökerstraße 6 um. Ein Jahr später wurde Anneliese wieder von ihrer Mutter zu sich genommen.

Annelieses Mutter war Sekretärin im Bremer Büro der Beratungsstelle des Hilfsvereins der Juden in Deutschland, das in der Kohlhökerstraße 6 (Gemeindehaus der israelitischen Gemeinde ab 1938) untergebracht war. Hier informierte sie über Auswanderungsmöglichkeiten, gab Rechts- und Finanzberatung, bemühte sich um die Ausstellung bereinigter Führungszeugnisse. Ihre eigene Auswanderung mit Familie soll sie immer wieder zurückgestellt haben, um anderen Juden helfen zu können.

Am 18.11.1941 wurden Walter und Emmy Stempel und die siebenjährige Anneliese von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurden sie ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen, die einen Höhepunkt in der Vernichtung des überwiegenden Teils der Bewohner des "Sonderghettos" am 28./29.7.1942 fand, zum Opfer.

Die Klasse 7b/2011 des Alten Gymnasiums, Kleine Helle, übernahm die Patenschaft für den Stolperstein in der Bornstraße 53. Ihr Engagement erklärten die Schüler und Schülerinnen mit den Worten: "Wir und auch die Generationen nach uns dürfen nicht vergessen, was hier passiert ist, auch wenn es schon uns unglaublich lange her erscheint. Wir wollen verantwortungsbewusst mit unserem schrecklichen Wissen umgehen und uns gegen alle Formen von Gewalt und Ausgrenzung stellen."

Verfasser:
Peter Christoffersen (2014)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Einwohnermeldekartei
Bremer Adressbuch
Max Markreich, Geschichte der Juden in Bremen und Umgebung, Manuskript Band 2, S. 284, Staatsarchiv Bremen
www.altes-gymnasium.schule.bremen.de/deutsch/aktuelles_weiter.php? menujava=&bbreite=&bhoehe=&id=542&jahr=2011&archiv=1 (Stand 7/2014)

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Minsk