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Zerline Bollinger, geb. Stempel, *1897

Deportiert 1941
Ermordet in Minsk


Schillerstraße 14
Bremen-Mitte

Verlegedatum: 30.09.2014


Schillerstraße 14 - Weitere Stolpersteine:


Zerline Bollinger

geb. 18.1.1897 in Wien

Zerline Bollinger war die Tochter von Louis Stempel (1852-1916) und seiner Ehefrau Sali (geb. Kleinberg, geb. 1863). Das Ehepaar hatte zwei Kinder: Walter (geb. 1901 in Wien) und Zerline. Die Familie kam 1910 aus Wien nach Bremen. Die Eltern waren jüdischen Glaubens.

Zum Leben von Zerline Bollinger gibt es heute nur noch wenige Unterlagen, die ausgewertet werden konnten; Hauptquelle ist ihre Einwohnermeldekarte. Darauf ist Stenotypistin als Beruf eingetragen. Am 1.8.1931 heiratete sie den Juristen Dr. jur. Heino Bollinger (1893-1977). Kurz darauf trat sie zum evangelischen Glauben, dem Bekenntnis ihres Ehemannes, über. Das Ehepaar wohnte am Bürgermeister-Smidt-Platz 16 (heute: Gustav-Pauli-Platz). Am 17.10.1936 wurde die Ehe nach einem jahrelangen Verfahren geschieden. Als Scheidungsursache ist eine schwere psychische Erkrankung Zerline Bollingers zu vermuten. Nach den Nürnberger Gesetzen (1935) galt sie danach wieder als Jüdin, ihre Einwohnermeldekartei vermerkt: "4 Großelternteile Jude - Rassenm. Jüdin". Ab dem 17.3.1936 wohnte sie bei ihrer Mutter in der Schillerstraße 14.

Dr. Bollinger war Syndikus der Gewerbekammer Bremen. Von 1921-1927 war er Abgeordneter der Bremischen Bürgerschaft für die linksliberale DDP (Deutsche Demokratische Partei). Vermutlich im Zuge der Gleichschaltung wurde er am 12.4.1933 in den Ruhestand versetzt. Er führte seine Ausbildung fort und legte 1936 in Hamburg die Große juristische Staatsprüfung ab, 1937 wurde er als Rechtsanwalt zugelassen. Am 20.6.1945 wurde er mit der Wahrnehmung der Amtsgeschäfte des Oberstaatsanwalts und 1947 mit denen des Generalstaatsanwalts in Bremen beauftragt.

Am 18.11.1941 wurde Zerline Bollinger von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurde sie ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlag, fiel sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer.

Ihr Bruder Walter wurde mit Ehefrau und siebenjähriger Tochter gleichfalls nach Minsk deportiert, ihre Mutter Sali wurde im Vernichtungslager Treblinka ermordet.

Verfasser:
Peter Christoffersen (2014)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Einwohnermeldekartei, Personalakte 4,10 AKZ 63-2
Wilfried Helling, Gleichschaltung und Ausgrenzung, Der Weg der bremischen Anwaltschaft ins Dritte Reich, Veröff. der Hanseatischen Rechtsanwaltskammer Bremen Bd. II, Bremen 1990
http://hsr-trans.zhsf.uni-koeln.de/volumes/bioweil/bremen.htm

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Minsk