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Henriette Bromberger, *1882

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Contrescarpe 93
Bremen-Mitte


Contrescarpe 93 - Weitere Stolpersteine:


Henriette Bromberger

Henriette Brombergergeb. 24.8.1882 in Bremen
Die Künstlerin Henriette (Henny) Bromberger war Tochter von Professor David Bromberger (geb. 11.2.1853 in Köln), der als Pianist, Komponist und Lehrer eine überragende Rolle im Bremer Musikleben spielte. Seit 1878 mit Franziska Steinberg (geb. 23.12.1856) verheiratet, erwarb er 1879 ein Haus, Contrescarpe 93, wo Henny mit ihrer Schwester Dora und ihrem Bruder Siegfried aufwuchs. Die drei Kinder wurden am 26. März 1888 im Bremer Dom getauft, während die Eltern an ihrem Judentum festhielten, jedoch für alle Glaubensfragen offen waren. Nach dem frühen Verlust seiner Frau im Jahre 1905 bewohnte David Bromberger sein Haus bis zu seinem Tod; er starb am 7.9.1930. Dora und Henny wohnten hier bis zu ihrer Deportation. Ihr Elternhaus wurde 1941 „arisiert“ und anschließend eines der „Judenhäuser“ der Stadt.
Henriette Bromberger besaß wie ihr Vater schon früh das pädagogische Talent, hochbegabte Musiker heranzubilden. Doch nicht nur als Klavierlehrerin, sondern auch als Konzertpianistin erwarb sie sich in der Hansestadt einen hohen Ruf, bevor das Naziregime sie wegen ihrer jüdischen Herkunft aus der Öffentlichkeit ausschloss und ihre Lehrtätigkeit unterband. Lange Zeit war sie durch ihre Hauskonzerte ein gern gesehener Gast in zahlreichen bekannten Bremer Familien.
Ihre Schwester Dora Bromberger zählte zu den bekanntesten Bremer Malerinnen der zwanziger und frühen dreißiger Jahre. Nach einem Studienaufenthalt in Paris lebte die Künstlerin von 1915 bis 1923 in München, wo sie schon 1912/13 zu Studien geweilt hatte. Nach ihrer Rückkehr nach Bremen wurde sie Mitglied des Bremer Künstlerbundes und war seit 1924 fast ständig an dessen jährlichen Ausstellungen in der Kunsthalle beteiligt. Sie galt als Meisterin der Aquarellkunst.
Am 18.11.1941 wurden Dora und Henny Bromberger in das Ghetto Minsk deportiert, wo ihr Leben endete. Nach Kriegsende wurden sie für tot erklärt.
Ihr Bruder, der Kaufmann Siegfried Bromberger, entkam dem Holocaust durch seine Emigration nach Kuba. Er verstarb am 31.12.1966.

Verfasser:
Rolf Rübsam (2011)

Informationsquellen:
Rübsam, Rolf: Die Brombergers. Schicksal einer Künstlerfamilie, Bremen 1992

Abbildungsnachweis: Staatsarchiv Bremen

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Minsk
Glossarbeitrag Christen jüdischer Herkunft
Glossarbeitrag "Arisierung"
Glossarbeitrag "Judenhäuser"