Sie befinden sich hier | Kapitelüberschrift  Suche
Schriftgroesse verkleinern Schriftgroesse normal Schriftgroesse vergrössern
Diese Seite ausdrucken

Ilse Lustgarten, geb. Berney, *1907

DEPORTIERT 1941
ERMORDET IN MINSK


Bachstraße 75
Bremen-Neustadt

Verlegedatum: 28.09.2012


Bachstraße 75 - Weitere Stolpersteine:


Ilse Lustgarten

Ilse Lustgartengeb. 27.6.1907 in Karbach

Ilse Lustgarten, geb. Berney, war die Tochter von Ber (Bernhard) Berney und seiner Ehefrau Sophie, geb. Rothschild. Sie hatte mindestens eine Schwester (Erna, geb. 1910 in Karbach). Ber Berney verstarb am 3.1.1936 in Karbach.

Am 24.12.1930 heiratete sie in Karbach (Bayern) Wolf Lustgarten (geb. 1900 in Bojan). Das Ehepaar hatte drei Kinder, die alle in Bremen geboren wurden: Dina Ruth (geb. 1932), Edith (geb. 1935), Bernd (geb. 1936).

Sie zog am 6.4.1931 mit ihrem Ehemann nach Bremen. Erster Wohnungsgeber war die Familie Katz in der Brückenstraße. Wie ihrem Ehemann wurde auch ihr im Zuge der Diskriminierungsgesetze gegen Juden im Mai 1934 die deutsche Staatsangehörigkeit entzogen, fortan galt sie als staatenlos. Von Mai 1931 bis April 1932 wohnte die Familie in der Isarstraße 43 und anschließend bis zu ihrer Deportation in der Bachstraße.

Ilse Lustgarten besuchte in Aschaffenburg die Höhere Töchterschule. Mit 15 Jahren begann sie eine Lehre zur Buchhalterin. Im Anschluss daran war sie ca. acht Jahre bei der Firma Mainz & Co. in Frankfurt/M, in der Hanauer Straße, beschäftigt. Nach Aussage ihrer Schwester war sie "sehr religiös".

Ihr Ehemann war Handelsvertreter. Er kam nach Bremen, weil er von einer großen Wollhandelsfirma als Ein- und Verkäufer eingestellt wurde. Ab November 1932 machte er sich selbständig. Er unterhielt nun eine Vertretung für bedeutende Süßwarenfirmen (insbesondere Schokolade) und war dementsprechend viel auf Reisen. Seine Ehefrau führte in der Zeit das Büro zu Hause. Mit der zwangsweisen Abmeldung seiner Handelsvertretung am 30.12.1938 wurde das Ehepaar seiner Existenzmöglichkeit beraubt. Im Zuge der Verfolgungen während der Reichspogromnacht wurde er in Bremen verhaftet und in das KZ Sachsenhausen vom 10.11. bis 28.12.1938 eingewiesen.

Nach seinem Arbeitsverbot engagierte er sich in der Israelitischen Gemeinde als Vorbeter, da er ein guter Sänger war. Weiterhin war er stellvertretender Vorsitzender im Kranken-Wohltätigkeits-Verein der Israelitischen Gemeinde.

Am 18.11.1941 wurde Ilse Lustgarten mit ihrer Familie von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurden alle ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer.

Ilse Lustgartens Schwester Erna war mit Felix Zaitschek (geb. 1901) - vermutlich Inhaber eines Reisegeschäfts in Villingen - verheiratet und emigrierte (nach 1933) in die USA. Sie verstarb 1982 in New York.


Verfasser:
Peter Christoffersen (2012)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E10649, Einwohnermeldekarte
Bundesarchiv, Gedenkbuch
http://www.alemannia-judaica.de/

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Novemberpogrom
Glossarbeitrag Sachsenhausen
Glossarbeitrag Israelitische Gemeinde Bremen
Glossarbeitrag Minsk