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Grete Harf, geb. Rose, *1881

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Westerstr. 28
Bremen-Neustadt


Westerstr. 28 - Weitere Stolpersteine:


Grete Harf

geb. 23.2.1881 in Hannover

Grete Harf war die Tochter von Simon Rose und seiner Ehefrau Bertha, geb. Falk. Sie heiratete 1901 den Viehhändler Siegmund Harf (geb. 20.5.1876 in Wickrath) aus Syke. Das Ehepaar hatte zwei Söhne, Erich (geb. 29.4.1905) und Fritz (geb.17.11.1907), beide in Syke geboren. Im April 1931 zogen Siegmund und Grete Harf nach Bremen, wo sie ab November des selben Jahres bei ihrem Sohn Fritz, Am Dobben 150, wohnten. Fritz Harf war ebenfalls Viehhändler. Auch sein Bruder Erich betrieb in Achim einen Viehhandel.

Siegmund Harf hatte das vom Vater gegründete Viehhandelsgeschäft vermutlich um 1900 übernommen und auf das ganze Reichsgebiet ausgeweitet. Es war eines der größten in Nordwestdeutschland. Grete Harf führte den Haushalt.

In Bremen führte Siegmund Harf seine Tätigkeit als Viehhändler fort, bis er am 4.12.1937 Berufsverbot erhielt. Er legte daraufhin Klage ein, zog diese aber am 17.7.1938 zurück. Die Einwohnermeldekarte führte ihn zuletzt als Arbeiter. Grete Harf wurde zur Zwangsarbeit verpflichtet. Von Oktober 1938 lebten sie bis zu ihrer Deportation in der Westerstraße 28.

Am 18.11.1941 wurden Siegmund und Grete Harf von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurden sie ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer.

Der Sohn Erich wurde mit Ehefrau Lucie und Sohn Hans-Günter gleichfalls nach Minsk deportiert und dort ermordet. Nach dem Tod des ersten "Judenältesten" im Ghetto, Dr. Edgar Franck aus Hamburg, wurde Erich Harf diese Funktion vermutlich für die Zeit von März bis Sommer 1942 übertragen.

Der Sohn Fritz, der in "privilegierter Mischehe" lebte, war im Februar 1945 zur Deportation nach Theresienstadt vorgesehen, wurde aber wegen Krankheit in Hamburg aus dem Transport genommen und in ein Krankenhaus gebracht. Er überlebte die Verfolgung.


Verfasser:
Edith Laudowicz/Peter Christoffersen (2013)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akten 4,54-E4210, 4,54-E4210, 4,54-E9975, Einwohnermeldekartei
Hermann Greve, "Stolpersteine", Syke 2007
Petra Rentrop, Tatorte der "Endlösung", Berlin 2011 (S. 179)

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Minsk