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Erich de Vries, *1907

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Westerstr. 28
Bremen-Neustadt


Westerstr. 28 - Weitere Stolpersteine:


Erich de Vries

geb. am 26.10.1907 in Harpstedt

Erich de Vries war der Sohn von Meyer de Vries, der in den 1920er Jahren verstarb, und seiner Ehefrau Jenny de Vries, geb. Neublum (geb. 1.9.1871 in Harpstedt). Das Ehepaar hatte drei Kinder: Erich (geb. 1907), Hanni (geb. 1910) und Walter (geb. 1915).

Er war mit Helene de Vries, geborene van der Zyl (geb. 22.7.1906 in Weener), verheiratet. Sie hatten eine Tochter Marga, geboren am 15.9.1934 in Wildeshausen. Die Familie lebte gemeinsam mit der Mutter Jenny in einem Haus in Harpstedt in der Großen Eßmerstraße 155 (heute Nr. 20), das ihnen seit Generationen gehörte. Erich de Vries betrieb in Harpstedt eine Schlachterei, die er vom Vater übernommen hatte.

Für jüdische Viehhändler und Schlachter wurde es aufgrund ihrer Verdrängung aus dem Wirtschaftsleben in der NS-Zeit immer schwieriger, ihre Geschäftstätigkeit aufrecht zu erhalten. So fand 1936 ein Einwohner in der Waldstraße in Harpstedt einen Zettel am Zaun seines Hauses auf dem stand: „Hier wohnt ein Judenknecht: Wer mit den Juden Geschäfte macht, ist ein Judenknecht und hetzt gegen das deutsche Volk. Er wird vom deutschen Volk verachtet.“ Der Bewohner, der schon lange vor 1933 Kunde bei Erich de Vries gewesen war, ließ sich nach wie vor von ihm mit Fleisch- und Wurstwaren beliefern. Nach dieser Aktion musste Erich de Vries seinen Kunden mitteilen, dass er sie nicht mehr beliefern könne.

Erich, Helene und Marga de Vries verzogen am 16.6.1938 nach Bremen und fanden im "Judenhaus" in der Westerstraße 28 Unterkunft.

In dem Haus in Harpstedt lebten nun noch seine Schwester, die 1939 nach Hannover zog, und seine Mutter. Sie erhielt in Harpstedt vom September 1936 bis zur Abmeldung am 10.12.1940 von der Gemeinde eine (äußerst widerwillig gezahlte) Fürsorgeunterstützung. 1940 wurde sie vertrieben und musste in das Jüdische Altersheim in Bremen ziehen. Ihr Harpstedter Haus wurde 1941 "arisiert".

Am 18.11.1941 wurden Erich de Vries, seine Ehefrau Helene und ihre Tochter Marga von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer.

Seine Mutter Jenny de Vries wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und starb dort am 13.12.1942. Seine Schwester Johanne wurde 1941 nach Riga deportiert und starb am 4.1.1945 im KZ Stutthof bei Danzig. Dem Bruder Walter gelang 1937 die Auswanderung nach Kolumbien.


Verfasserin:
Edith Laudowicz (2012)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E11794
Werner Meiners: Ortsartikel Harpstedt, in: Obenaus u.a. (Hg.), Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen, 2 Bde., Göttingen 2005, S. 801-806
Heile, Chronik der Samtgemeinde Harpstedt, Band 2 von 1667 bis 1950, Harpstedt 1966

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag "Judenhäuser"
Glossarbeitrag Minsk