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Frieda Kramer, *1922

ausgewiesen 1938 nach Polen
für tot erklärt


Westerstr. 28
Bremen-Neustadt


Westerstr. 28 - Weitere Stolpersteine:


Frieda Kramer

geb. 16.5.1922 in Bremen

Frieda Kramer war die Tochter des Produktenhändlers Zallel Kramer (genannt Erdstein) und seiner Ehefrau Sophie, geb. Glauber. Sie hatte drei Geschwister: Fanny (Feige), geb.1912, Jette (geb. 1920) und Marie (geb. 1924), von denen Fanny noch in Galizien geboren wurde.

Ihre Eltern führten bis zu ihrer Trennung 1929/1930 in der Westerstraße 28 gemeinsam einen Rohproduktenhandel. Sie hatten mehrere Angestellte. Nach der Trennung führte Sophie Kramer in ihrem Haus in der Westerstraße einen Rohproduktenhandel und Kleinhandel mit Edelmetallen, bis ihr im Frühjahr 1938 das Gewerbe entzogen wurde.

Frieda besuchte ab 1928 die Schule, zuletzt das Jansons-Lyzeum in der Violenstraße. Nachdem ihre Schwester Jette aus Frankreich zurückgekehrt war, besuchten beide - um die Zeit bis zur Auswanderung zu überbrücken - Frischen's Privathandelsschule. Die Mutter verfügte über die erforderlichen Mittel und die Mädchen zeigten gute Leistungen und sollten das Abitur ablegen.

Am 28./29.10.1938 wurde Frieda Kramer im Rahmen der Polenaktion zusammen mit ihrer Schwester Marie und ihrer Mutter nach Polen deportiert. Die Frauen zogen in ihren Herkunftsort Stanislawow (Ukraine) zurück. Ihr früherer Ehemann Zallel ging nach Galizien, in das von Stanislawow ca. 30 Kilometer entfernt liegende Kalusz, zurück. Später zog auch er in das Haus seiner Schwägerin in Stanislawow. Versuche der Verwandten, das Ehepaar wieder zusammenzubringen, scheiterten.

Die zwei älteren Geschwister, Fanny und Jette, waren zuvor in die USA emigriert.

Ein Cousin berichtete später nach seiner Emigration in die USA, dass sich die Spuren von Sophie und Zallel Kramer sowie ihren Töchtern Frieda und Marie 1942 verloren. Nach dem Krieg erfuhr er in Stanislawow, dass die meisten Juden im Herbst 1942 auf den jüdischen Friedhof getrieben und erschossen wurden. Er vermutet, dass auch seine Verwandten dabei waren, da es keine weiteren Spuren mehr von ihnen gab. Am 12.10.1941 gab es in der Stadt die erste Massenerschießung von ca. 10.000 Juden. Die Liquidierungen setzten sich fort. Im Februar/Mai 1943 wurden mit der Auflösung des Ghettos erneut über 11.000 Juden erschossen. Als die Stadt im Juli 1944 befreit wurde, lebten von vormals mehr als 40.000 Juden nur noch 100 in der Stadt.

Zallel Kramer, seine Ehefrau Sophie sowie die Töchter Frieda und Marie wurden auf den 8.5.1945 für tot erklärt.


Verfasserinnen:
Edith Laudowicz/Christiane Pohlmann (2011)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akten 4,54-E11887, E11884, Ra2057

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Polenaktion