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Hersch Oliver, *1882

verhaftet 9.9.1939 KZ Buchenwald
deportiert nach Auschwitz 16.1.1942/ermordet 16.11.1942


Daniel-von-Büren-Str. 54
Bremen-Mitte
ehemalige Straßenbezeichnung: Kaufmannsmühlenkamp 5


Daniel-von-Büren-Str. 54 - Weitere Stolpersteine:


Hersch Oliver

Hersch Olivergeb. 21.06.1882 in Uniz

Hersch Oliver wurde als Hersch Emsig gen. Oliwer am 21.6.1882 in Uniz, Bezirk Horodenka, geboren. Am 27.11.1910 heiratete er in Sniatyn die dort am 29.6.1879 geborene Margin (Marym) Jäger.

Das Ehepaar war seit dem 3.6.1915 in Bremen gemeldet. Hersch Oliver war Eigentümer des Wohn- und Geschäftshauses Kaufmannsmühlenkamp 5. Seit dem 4.10.1917 betrieb er dort ein Abzahlungsgeschäft für Bekleidung aller Art, seit dem 8.7.1930 zusätzlich ein Textilwarengeschäft.

Aus der Ehe gingen die Tochter Lotte (geb. am 20.10.1911, später verh. Wolff) und der Sohn Heinrich (geb. am 9.3.1916 in Bremen) hervor.

Die Tochter Lotte wanderte am 12.09.1937 in die USA aus. Der Sohn Heinrich emigrierte am 15.8.1939 nach London, wo er sich Henry Oliver nannte. Wegen seiner Aktivitäten in einer sozialistischen Gruppe war er am 18.2.1938 in Bremen vom Hanseatischen Sondergericht wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt und unter Anrechnung der U-Haft am 4.8.1939 aus dem Zuchthaus Oslebshausen entlassen worden. Solange ihr Sohn inhaftiert war, hatten Hersch und Margin Oliver von der beabsichtigten Auswanderung abgesehen, um ihm in Bremen helfen zu können.

Am 28.10.1938 wurde Hersch Oliver im Rahmen der Polenaktion abgeschoben. Warum nicht auch seine Ehefrau Margin von der Abschiebung betroffen war, ist nicht bekannt.

Offenbar kehrte Hersch Oliver - wie etliche der Abgeschobenen - nach Bremen zurück, denn am 9. 9.1939 wurde er hier in „Schutzhaft“ genommen und am 20.10.1939 von Bremen aus in das Konzentrationslager Buchenwald eingeliefert. Er war im Nazi-Jargon der Kategorie „Politischer Schutzhaft-Jude“ zugeordnet. Am 16.10.1942 (nach anderen Quellen am 19.10.1942) wurde er von Buchenwald nach Auschwitz überstellt, wo er die Häftlingsnummer 68604 erhielt. Laut Mitteilung des Comité International de la Croix-Rouge vom 2.8.1958 und laut Sterbeurkunde des Sonderstandesamts Arolsen endete sein Leben dort am 16.11.1942.

Seine Ehefrau Margin Oliver zog am 27.1.1942 in das „Judenhaus“ in der Geestemünder Straße 22. Sie wurde am 23.7.1942 in das Ghetto Theresienstadt und von dort aus am 23.10.1944 weiter in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert.

Verfasserin: Dr. Barbara Johr

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen: Einwohnermeldekarte; Akten 4,54-E10669 und 4,54-E10586
Central Database of Shoah Victims’ Names;
Günther Rohdenburg/Karl-Ludwig Sommer, Erinnerungsbuch für die als Juden verfolgten Einwohner Bremens, Bremen o.J.
Henry Oliver, Nazi-Jahre 1933-1939. Erinnerungen, eingeleitet von Jörg Wollenberg. In: Arbeiterbewegung und Sozialgeschichte, Heft 21/22, Bremen 12/2008, S.19ff.

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Polenaktion
Glossarbeitrag "Schutzhaft"
Glossarbeitrag "Judenhäuser"
Glossarbeitrag Theresienstadt
Glossarbeitrag Auschwitz