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Paula Keller, geb. Adler, *1882

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Rembrandtstr. 25
Bremen-Schwachhausen


Rembrandtstr. 25 - Weitere Stolpersteine:


Paula Keller

geb. 25.9.1882 in Mellrichstadt

Paula Keller geb. Adler war die Tochter von Maier Adler und seiner Ehefrau Adelheid
geb. Jacobi. Am 1.9.1911 heiratete sie Isidor Keller, geb. 24.9.1881 in Oroshaza/Ungarn. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor: Harry, geb. 17.7.1912 in Bremen, und Siegfried, geb. 8.2.1914 in Bremen. Ihre Schwester Luzi (geb.1891) lebte gleichfalls in Bremen und war mit Willy Manne verheiratet.

Isidor Keller war, aus Hannover kommend, ab 1910 in Bremen gemeldet, Paula seit 1911. Die Familie Keller wohnte seit 1928 in der Richard-Wagner-Straße 21, bis das Ehepaar im September 1941, kurz vor der Deportation, in das "Judenhaus" Rembrandtstraße 25 umziehen musste.

Isidor und Paula Keller besaßen in der Sögestraße 29 das „Spitzenhaus Keller" (Stickereien, Spitzen und Weißwaren). Sie beschäftigten zeitweise bis zu sieben Angestellte. Isidor Keller betrieb sein Gewerbe anfangs in der Obernstraße. Während des Ersten Weltkrieges war Paula Keller als Inhaberin eingetragen und verlegte den Betrieb in die Sögestraße, wo auch ihr Schwager Willy Manne in der Nr. 1 ein Spitzengeschäft betrieb. Ab 1921 wurde ihr Mann wieder als Inhaber geführt, sie behielt Prokura. Vermutlich um den Söhnen eine Existenzmöglichkeit zu sichern, ließen sie sie Ende 1935 als Teilhaber eintragen. Die Eintragung in das Handelsregister wurde am 20.5.1936 von der Polizeidirektion jedoch als unzulässig abgelehnt. Harry äußerte sich daraufhin gegenüber seinem Schulfreund Hugo Bez: "Nicht einmal das darf man".

Am 22.10.1938 wurde das Geschäft "arisiert". Käuferin war Marie-Luise Hinners. Die Fa. Keller erlosch am 10.12.1938 im Handelsregister. Das Unternehmen war weiterhin erfolgreich und die Fa. Hinrichs war das bekannteste Spitzenhaus in Bremen bis in die 1980er Jahre.

Außer dem Geschäft mussten die Kellers am 9.12.1938 zwangsweise ihr Haus in der Richard-Wagner-Straße verkaufen und von dem Verkaufserlös mehr als die Hälfte an das Reich abtreten.

Am 10.11.1938 wurde Isidor Keller im Zuge des Novemberpogroms verhaftet und nach einem Tag im Zuchthaus Oslebshausen in das KZ Sachsenhausen überstellt. Am 5.12.1938 wurde er wieder entlassen.

Isidor und Paula Keller wollten ebenfalls nach Montevideo/Uruguay fliehen, wo bereits ihr Sohn Harry lebte. Sie hatten deshalb ihr Mobiliar in zwei Containern verpackt. Die Erlaubnis, diese Container zu verschiffen, musste durch eine Zahlung an die Golddiskontbank (sog. Dego-Abgabe in Höhe von 8.000 RM) erwirkt werden. Außerdem hatten sie Reichsfluchtsteuer in Höhe von 14.500 RM zu entrichten. Die beauftragte Spedition konnte nachweisen, dass die Container bis Antwerpen gelangt waren. Kurz vor ihrer Abreise verfügte die Regierung von Uruguay im Januar 1939 einen Einwanderungsstopp. Daraufhin ließen Kellers ihre Liftvans wieder zurückkommen, da damit gerechnet werden musste, dass sie geplündert werden könnten. 1941 trafen sie in der Tat ausgeraubt und beschädigt wieder in Bremen ein. Inwieweit sie über das restliche Umzugsgut noch verfügen konnten, ist nicht bekannt.

Isidor und Paula Keller sowie alle anderen Bewohner des "Judenhauses" Rembrandtstraße 25 wurden am 18.11.1941 nach Minsk deportiert. Dort wurden sie ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer.

Paula Kellers Mutter, Adelheid Adler, die am 15.2.1939 aus Mellrichstadt in die Richard-Wagner-Straße zugezogen war, gelang es im Juli 1939 nach England auszuwandern. Mit ihr konnte auch ihre weitere Tochter Helene (verh. Reichenberg) flüchten.


Verfasser:
Dagmar Eder/Peter Christoffersen (2012)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akten 4,54-E4347, E4867, E10962, E10977, Ra34, Rü5225, Einwohnermeldekartei
Bremer Adressbuch

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag "Arisierung"
Glossarbeitrag "Judenhäuser"
Glossarbeitrag "Auswanderung"
Glossarbeitrag Minsk