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Willy Manne, *1888

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Rembrandtstr. 25
Bremen-Schwachhausen


Rembrandtstr. 25 - Weitere Stolpersteine:


Willy Manne

Willy ManneWilly Manne wurde am 4.8.1888 in Hamburg als Sohn von Samuel Manne aus Krakau und Rebecka, geb. Nathan, geboren. Er war erstmalig zum 23.März 1912 in Bremen gemeldet. Bereits 1913 ließ er sein Unternehmen Willy Manne, Galanterie- u. Luxuswarengeschäft , mit Sitz in der Obernstrasse 53 im Bremer Handelsregister eintragen.

Am 2. Januar 1919, wenige Monate nach Kriegsende, heiratete er Luzi Adler vor dem Standesamt Bremen-Mitte. Sie wurde am 15.Februar 1891 in Mellrichstadt/Bayern geboren. Ihre Eltern waren Maier Adler und Adelheid geb. Jacobi. Am 18. Dezember 1919 wurde ihr Sohn Norbert geboren.

Im Jahr 1928, als die Israelitische Gemeinde Bremen ihr 125jähriges Gemeinde-Jubiläum feierte, erwarben und bezogen Willy und Luzi ihre Immobilie in der Hohenlohestrasse 7. 1931 wurde die Immobilie Obernstrasse 35 erworben und das Geschäft nach dort verlegt.

Am letzten Tag des Jahres 1932, feierte man Sohn Norbert´s Barmizwah. Als letzter jüdischer Schüler verließ er nach Ablegung der Reifeprüfung im März 1938 das Realgymnasium an der Kaiser Friedrich Strasse (heute: Hermann-Böse-Gymnasium). Da er aufgrund der 1935 erlassenen sogenannten Nürnberger Gesetze weder studieren konnte noch zu anderer Berufsausbildung zugelassen wurde, war er anschließend im Geschäft des Vaters tätig.

Die bereits 1933 begonnenen Repressalien seitens der NS-Herrschaft gegenüber der jüdischen Bevölkerung kulminierten in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 in der Reichspogromnacht. Mannes Geschäft in der Obernstrasse 35 wurde von SA-Leuten überfallen und geplündert, aus der privaten Garage in der Hohenlohestrasse das Auto entwendet. Noch in der Nacht wurden Willy und Norbert Manne neben 160 weiteren jüdischen Bürgern in "Schutzhaft“ genommen und am Morgen des 10. November 1938 in das Zuchthaus in Bremen-Oslebshausen geführt. Willy Manne wurde tags darauf in das Konzentrationslager Sachsenhausen verbracht, während Norbert nach kurzer Haft freikam und eine Woche später nach Montevideo/Uruguay ausreiste.

Das zerstörte und beraubte Geschäft in der Obernstrasse wurde ebenso wie die Immobilie in der Hohenlohestrasse "arisiert". Das gesamte Vermögen des Kaufmanns Willy Manne wurde im Herbst 1941 zugunsten des Deutschen Reichs eingezogen.

Nachdem das Ehepaar Manne aufgrund einer Vereinbarung mit dem Käufer vorerst noch in der Hohenlohestrasse wohnen konnte, wurde es im September 1940 zum Umzug in das "Judenhaus“ in der Rembrandtstraße 25 gezwungen.

Am 18. November 1941 wurden Mannes, zusammen mit über 440 weiteren jüdischen Bürgern, deportiert und in das Ghetto nach Minsk verbracht.

Zuvor hatten sie folgende Erklärung zu unterzeichnen: "Ich, der unterzeichnende Jude, bestätige hiermit, ein Feind der Deutschen Regierung zu sein und als solcher kein Anrecht auf das von mir zurückgelassene Eigentum, auf Möbel, Wertgegenstände, Konten oder Bargeld zu haben. Meine deutsche Staatsbürgerschaft ist hiermit aufgehoben und ich bin vom … November ab staatenlos.“

Willy und Luzi Manne wurden im Ghetto Minsk ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer. Am 8. September 1948 wurden sie auf Antrag der Israelitischen Gemeinde Bremen durch Beschluss des Amtsgericht Bremen auf den 8. Mai 1945 für tot erklärt.


Verfasser:
Peter Christoffersen (nach Vorlage Bir)
(2012)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Volkard Bir, Willy und Luzi Manne, gestorben in Minsk (Sign. Ai 9992-14)

Abbildungsnachweis: Privatbesitz (Familie Manne ca. 1925)

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag "Schutzhaft"
Glossarbeitrag "Arisierung"
Glossarbeitrag Minsk