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Alma-Ursel Salomon, *1930

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Bürgermeister-Smidt-Str./neben Ausfahrt Hochgarage
Bremen-Mitte
ehemalige Straßenbezeichnung: Kaiserstr. 14


Bürgermeister-Smidt-Str./neben Ausfahrt Hochgarage - Weitere Stolpersteine:


Alma-Ursel Salomon

Alma-Ursel Salomongeb. 24.12.1930 in Bremen

Alma-Ursel Salomon war die Tochter Leopold Salomons und seiner Frau Ella geb. Löwenstern. Sie lebte mit ihren Eltern in einer 5-Zimmer-Wohnung in der Kaiserstraße 14, nahe der Brill-Kreuzung. In diesem Haus wohnten bis 1935 auch ihre Großeltern Albert und Ida Salomon. Auch ihre Tante Sophie Goldschmidt geb. Salomon wohnte dort mit ihren Kindern Lotte, Herbert und Inge. Inge Goldschmidt war nur zwei Jahre älter als Alma-Ursel.

Im Frühjahr 1937 wurde Alma-Ursel Salomon eingeschult. Sie besuchte – wie ihre Cousine Inge Goldschmidt und wie Miriam Bialystock, die am Brill wohnte, – die Michaelisschule, eine in der Straße Doventorsdeich gelegene Volksschule für Mädchen.

Nach der Pogromnacht wurden am 15.11. 1938 durch „Runderlass des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung“ alle jüdischen Kinder vom Besuch deutscher Schulen ausgeschlossen. Begründet wurde diese Maßnahme mit den Worten: „Nach der ruchlosen Mordtat von Paris kann es keinem deutschen Lehrer und keiner deutschen Lehrerin mehr zugemutet werden, an jüdische Schulkinder Unterricht zu erteilen. Auch versteht es sich von selbst, daß es für deutsche Schüler unerträglich ist, mit Juden in einem Klassenraum zu sitzen.“

Seit Ende 1938 konnte die Israelitische Gemeinde Räume im Hause Kohlhökerstraße 6 als Gemeindezentrum nutzen und richtete dort auch einen Klassenraum für die Religionsschule ein. Mehr als 30 Kinder – darunter Alma-Ursel Salomon – wurden in dieser Schule unterrichtet.

1939 mussten Leopold, Ella und Alma-Ursel Salomon ihre 5-Zimmer-Wohnung in der Kaiserstraße 14 verlassen und in ein „Judenhaus“ in der Keplerstraße 36 ziehen. Dort wurde ihnen ein leeres Zimmer im Souterrain zugewiesen; ihre Wohnungseinrichtung konnten sie nicht mitnehmen.

Am 18.11.1941 wurden Leopold, Ella und Alma-Ursel Salomon zusammen mit 567 anderen Juden aus Norddeutschland von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Von den 442 Juden, die aus Bremen stammten, sind nur sechs zurückgekehrt; alle anderen – auch Leopold, Ella und Alma-Ursel Salomon und die anderen deportierten Kinder aus der Religionsschule – wurden ermordet. Sie starben entweder im Winter 1941/42 an Kälte und Hunger oder fielen einer der im Juli 1942 einsetzenden Massenerschießungen zum Opfer.

Alma-Ursel Salomon wurde elf Jahre alt.


Verfasser:
Michael Cochu (2013)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akten 4,54E 11304 u. 11000
Rohdenburg, Günther / Karl-Ludwig Sommer, Erinnerungsbuch für die als Juden verfolgten Einwohner Bremens, 2006
Rohdenburg, Günther (Bearb.), „Judendeportationen“ von Bremerinnen und Bremern
Friedländer, Saul, Das Dritte Reich und die Juden, Bd. 1, München 1998 (S. 307)

Abbildungsnachweis: Privatbesitz

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Rassengesetzgebung
Glossarbeitrag Novemberpogrom
Glossarbeitrag "Judenhäuser"
Glossarbeitrag Minsk