Sie befinden sich hier | Kapitelüberschrift  Suche
Schriftgroesse verkleinern Schriftgroesse normal Schriftgroesse vergrössern
Diese Seite ausdrucken

Helga Hirschfeld, *1930

Flucht 1933 nach Holland , interniert Westerbork, deportiert 1942
Ermordet in Auschwitz


Bürgermeister-Smidt-Str./neben Ausfahrt Hochgarage
Bremen-Mitte
ehemalige Straßenbezeichnung: Kaiserstraße 14

Verlegedatum: 29.05.2013


Bürgermeister-Smidt-Str./neben Ausfahrt Hochgarage - Weitere Stolpersteine:


Helga Hirschfeld

Helga Hirschfeldgeb. 12.9.1930 in Bremen

Helga Hirschfeld war die Tochter des 1903 in Braunschweig geborenen Hermann Hirschfeld und seiner 1904 in Hamburg geborenen Ehefrau Else geb. Salomon. Die Eltern hatten 1929 in Bremen geheiratet und wohnten in der Kaiserstr. 14, dem Haus, in dessen Erdgeschoss sich die Buch- und Zeitschriftenhandlung der Familie Salomon befand. Dort wohnten auch Helgas Cousinen Lotte Goldschmidt (geb.1923) und Alma-Ursel Salomon (geb.1930) sowie ihr Cousin Herbert Goldschmidt (geb.1926).

Ende Mai 1933 emigrierte die Familie Hirschfeld in die Niederlande und zog in die in der Südstadt von Amsterdam gelegene Roerstraat 20. Else eröffnete dort eine Pension, in der vor allem Flüchtlinge aus Deutschland unterkamen; Hermann wurde Geschäftsführer einer Firma aus der Modebranche. Im Sommer 1935 besuchten Elses jüngste Schwester Grete Gottschalk und ihre Tochter Else – vor ihrer Auswanderung nach Südafrika – die Familie Hirschfeld in Amsterdam. Am 22.5. 1936 wurde in Amsterdam Helgas Schwester Ilse geboren. Helga ging in Amsterdam zur Schule und konnte bald auf Niederländisch Grüße an ihre Tante Grete und ihre Cousine Else schreiben.

Im Mai 1940 besetzten deutsche Truppen die – neutralen – Niederlande und errichteten ein militärisches Besatzungsregime. Seit Ende 1940 wurden die in den Niederlanden lebenden Juden registriert und in der folgenden Zeit systematisch isoliert. Am 1.7.1942 wurde das im Osten der Niederlande gelegene Lager Westerbork in ein „Durchgangslager“ umgewandelt und der Sicherheitspolizei unterstellt. Mitte Juli 1942 begannen von dort die Deportationen vor allem in die Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und Sobibor. Die von der SS zusammengestellten und von der Deutschen Reichsbahn organisierten Transporte in Viehwaggons dauerten zwei bis drei Tage. An der Bewachung der Deportationszüge waren Angehörige des Polizeibataillons 105 aus Bremen beteiligt.

Helga Hirschfeld wurde mit ihren Eltern und ihrer Schwester Ilse am 15.7.1942 aus Amsterdam deportiert. Vom Bahnhof Hooghalen mussten sie 6 km zum Lager Westerbork laufen, wurden dort registriert und mussten zurück zum Bahnhof laufen.

Helga Hirschfeld wurde mit ihrer Mutter und ihrer Schwester gleich nach der Ankunft im Lager Auschwitz-Birkenau am 17.7.1942 ermordet. Ihr Vater wurde am 17.7.1942 an der Rampe des Lagers von seiner Frau und seinen beiden Töchtern getrennt und zur Arbeit selektiert; er wurde Anfang Dezember 1942 ermordet.


Verfasser:
Michael Cochu (2013)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Einwohnermeldekarte
Briefwechsel Else Hirschfeld / Grete Gottschalk (1936-1942)
Beuys, Barbara; Leben mit dem Feind - Amsterdam unter deutscher Besatzung 1940-1945, München 2012
www.joodsmonument.nl/person/496402/nl
Schneider, Karl; Auswärts eingesetzt - Bremer Polizeibataillone und der Holocaust; Essen 2011
Mitteilung des Erinnerungszentrums Kamp Westerbork vom 8.4.2013

Abbildungsnachweis: Privatbesitz

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Westerbork
Glossarbeitrag Auschwitz