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Sophie Meyer, geb. Salomon/gesch. Goldschmidt, *1902

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Bürgermeister-Smidt-Str./neben Ausfahrt Hochgarage
Bremen-Mitte
ehemalige Straßenbezeichnung: Kaiserstr. 14


Bürgermeister-Smidt-Str./neben Ausfahrt Hochgarage - Weitere Stolpersteine:


Sophie Meyer

Sophie Meyergeb. 24.7.1902 in Hamburg

Sophie Salomon war das dritte Kind Albert Salomons (geb. 1870 in Hamburg) und seiner Frau Ida, geb. Rosenthal (geb. 1881 in Grevesmühlen). 1913 zog die Familie mit allen fünf Kindern von Hamburg nach Bremen, wo Albert Salomon in die Buch- und Zeitschriftenhandlung („Bremer Buch- und Zeitschriftenzentrale“) seines Bruders Siegfried (1873-1945) eintrat. Der Laden lag im Stadtzentrum in der Kaiserstraße 14, wo die Familie auch wohnte. Ida und Albert Salomon führten ein glückliches Familienleben, hatten ein offenes Haus und einen großen Freundeskreis und beteiligten sich intensiv am kulturellen Leben.

1923 heiratete Sophie Salomon den 1895 in Hoof (Krs. Kassel) geborenen Salli Goldschmidt, der in der Versicherungsbranche beschäftigt war. Das Ehepaar bezog in der Kaiserstraße 14 eine 5-Zimmer-Wohnung. Ende 1923 wurde die Tochter Lotte geboren, 1926 der Sohn Herbert und 1929 die Tochter Inge. 1931 wurde die Ehe geschieden, nachdem Salli sich einer anderen Frau zugewandt hatte. Sophie blieb, von Salli unterstützt, mit den drei Kindern in der Wohnung. 1935 wanderte Salli mit seiner neuen Familie nach Südafrika aus, wo er in Johannesburg eine Versicherungsfirma aufbaute.

1935 wurde die Buchhandlung von den Behörden geschlossen; Sophies Vater Albert Salomon überlebte dies nur um zwei Jahre. Sophie Goldschmidt blieb mit ihren Kindern in der Kaiserstraße 14, wo auch ihr Bruder Leopold Salomon mit seiner Familie weiterhin lebte.
Unterdessen waren Sophies Kinder mit Schwierigkeiten konfrontiert: Lotte durfte „aus rassischen Gründen“ keine höhere Schule besuchen und macht nach Beendigung der Schule ein Haushaltsjahr im Jüdischen Altersheim. Herberts einziger Freund war sein Cousin Manfred Posener. Inge wurde 1935 eingeschult; aber nach dem Novemberpogrom wurden alle jüdischen Kinder vom Besuch deutscher Schulen ausgeschlossen.

Am 15.11.1938 nahm sich Sophies Mutter, Ida Salomon, nach dem Brand der Synagoge und der Verwüstung des Rosenakhauses, in dem sie mit der Familie ihrer Tochter Clara Posener gewohnt hatte, in ihrer Verzweiflung das Leben.

Schon vor der Pogromnacht hatte sich Sophie Goldschmidt mit ihrem geschiedenen Mann darauf geeinigt, dass die ältere Tochter zu ihm nach Johannesburg ziehen sollte. Am 22.11.1938 begleitete Sophie ihre Tochter Lotte nach Hamburg an den Dampfer nach Südafrika. Als sie nach Bremen zurückkehrte, wartete schon der Vorstand der Israelitischen Gemeinde auf sie, um ihr mitzuteilen, dass für ihre Kinder Herbert und Inge Plätze in einem Kindertransport nach England bereit stünden. Wie Herbert Goldschmidt später bei einem Besuch in Bremen berichtet hat, sagte seine Mutter daraufhin: „Ich habe gerade von meiner ältesten Tochter Abschied genommen. Mein Sohn muss selber entscheiden, was er will. Aber ich gebe nicht alle drei Kinder her, nachdem ich jahrelang um sie gekämpft habe.“ Herberts Antwort, die ihm sein Leben lang keine Ruhe gelassen hat, war: „Ich glaube, ich muss weg, Mutti.“ Inge Goldschmidt blieb in Bremen.

Am 27.9.1940 heirateten Sophie Goldschmidt und Heinz Meyer; sie kannten sich seit 1935, als er den von Sophie zusammen mit ihrer Schwägerin Ella Salomon betriebenen Mittagstisch besucht hatte. Herbert Goldschmidt hat Heinz Meyer stets in guter Erinnerung behalten und seine Hilfsbereitschaft hervorgehoben. Heinz Meyer, Sophie Meyer und Inge Goldschmidt lebten in Bremen zuletzt in der Bürgermeister-Smidt-Straße (heute: Carl-Schurz-Straße) 37; vermutlich handelte es sich dabei um ein „Judenhaus“.

Am 18.11.1941 wurde Sophie Meyer mit ihrem Mann Heinz Meyer und ihrer Tochter Inge Goldschmidt zusammen mit 567 anderen Juden aus Norddeutschland von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Von den 442 Juden, die aus Bremen stammten, sind nur sechs zurückgekehrt; alle anderen – so auch Sophie Meyer, Heinz Meyer und Inge Goldschmidt – wurden ermordet. Sie starben entweder im Winter 1941/42 an Kälte und Hunger oder fielen einer der im Juli 1942 einsetzenden Massenerschießungen zum Opfer.

Sophies Tochter Lotte Goldschmidt lebte seit Anfang 1939 bei ihrem Vater in Südafrika und zog später nach Israel; sie starb 2005 in Tel Aviv. Sophies Sohn Herbert Goldschmidt gelangte zunächst mit einem Kindertransport nach England und bald darauf nach Johannesburg zu seinem Vater; im Alter zog er nach London, wo er 2009 starb.


Verfasser:
Michael Cochu (2013)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E 11211
Rohdenburg, Günther / Karl-Ludwig Sommer, Erinnerungsbuch für die als Juden verfolgten Einwohner Bremens, 2006
Rohdenburg, Günther (Bearb.), „Judendeportationen“ von Bremerinnen und Bremern

Abbildungsnachweis: Privatbesitz (Sophie Meyer mit ihren Kindern Inge, Herbert u. Lotte 1938)

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Novemberpogrom
Glossarbeitrag Kindertransporte
Glossarbeitrag "Judenhäuser"
Glossarbeitrag Minsk