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Rifka-Laja Flamm, geb. Wandstein, *1884

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Hastedter Heerstr. 407
Bremen-Hemelingen
ehemalige Straßenbezeichnung: Hastedter Heerstr. 481


Hastedter Heerstr. 407 - Weitere Stolpersteine:


Rifka-Laja Flamm

Rifka-Laja  Flammgeb. 13.5.1884 in Wisnicz

Rifka-Laja (gen. Regina) Flamm war die Tochter von Moses Wandstein und seiner Ehefrau Sarah, geb. Seelenfreund. Sie lebte ab 1904/1905 in Leipzig, wo sie als Schirmnäherin arbeitete. Durch Vermittlung eines Schadchens (Heiratsvermittler) heiratete sie Juda Flamm am 8.3.1908 in Leipzig. Aus ihrer Ehe gingen zehn Kinder hervor (siehe Familienübersicht).

Regina Flamm erlebte die nationalsozialistischen Verfolgungsmaßnahmen über die zunehmende Zerstörung ihrer Familie bis zur eigenen Vernichtung. Ab 1933 verschlechterten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse ihres Ehemannes, 1936 wanderte Sohn Samuel nach Palästina aus, am 14.10.38 wanderte Sohn Jacob in die USA aus, am 28.10.1938 wurden die Kinder Sophie und Isidor nach Polen ausgewiesen, im November 1938 wurde ihre Wohnung zerstört, im September 1939 wurden ihr Ehemann und Sohn Siegmund verhaftet und in das KZ Buchenwald eingewiesen, nach dem Tod ihres Ehemannes im Mai 1941 im KZ Dachau erhielt sie seine Urne und bestattete diese auf dem jüdischen Friedhof in Bremen-Hastedt.

Am 26.9.1939 musste sie das inzwischen verkaufte Haus in der Hastedter Heerstraße 481 verlassen und zog mit ihrer Tochter Netti in das "Judenhaus" im Kaufmannsmühlenkamp 5 ein.

Rifka-Laja Flamm wurde mit ihren Töchtern am 18.11.1941 in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurden sie ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer.

In ihrem Haus, in der Hastedter Heerstraße 481, lebte bis 1932 auch ihr Bruder Samuel Ira Wandstein (geb. 1892), der mit Fellen handelte. Er heiratete 1935 in Krakau nach jüdischem Ritus die Bremerin Minna Giese. Das Ehepaar hatte zwei Söhne. Minna Wandstein wurde 1943 in Krakau wegen Rassenschande angeklagt und war bis 1944 in verschiedenen Gefängnissen und im Konzentrationslager Szcebnie. Ihr Ehemann wurde 1942 verhaftet und ihre beiden Söhne, fünf und acht Jahre alt, wurden 1943 von ihr getrennt. Deren Schicksal ist unbekannt. Minna Wandstein heiratete 1946 einen US-Soldaten und emigrierte in die USA.

Ein weiterer Bruder, Chiel Wandstein (geb. 1900), lebte ebenfalls in Bremen, in der Faulenstraße 70. Er war Geschäftsführer. Er verließ Bremen am 14.10.1935 mit nicht bekanntem Ziel. Sein weiteres Schicksal ist ebenfalls unbekannt. Auf einem in Yad Vashem hinterlegten Gedenkblatt ist vermerkt, dass er in Polen umgekommen sei.


Verfasser:
Peter Christoffersen (2012)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E10574, E10645, E3613, Einwohnermeldekarte
Timm u.a., Hastedt (Band 4), Bremen 1990, S. 259
Dünzelmann, Juden in Hastedt, Bremen 1995, S. 138-141

Abbildungsnachweis: Privatbesitz

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Ostjüdische Gemeinde
Glossarbeitrag Novemberpogrom
Glossarbeitrag "Judenhäuser"
Glossarbeitrag Minsk