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Ruth Neublum, *1928

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Admiralstr. 23
Bremen-Findorff


Admiralstr. 23 - Weitere Stolpersteine:


Ruth Neublum

geb. 22.2.1928 in Bremen

Ruth Neublum kam als zweites Kind von Erich Neublum (geb. 1900) und Bertha Neublum (geb. 1906) zur Welt. Sie hatte drei Geschwister: Kurt (geb. 1925), Siegfried (geb. 1935) und Albert (geb. 1937).

Ihre Eltern heirateten 1924. Der Vater arbeitete als Schlachter und Fleischer; die Mutter verkaufte die Fleischwaren. Ihr Leben und ebenso das aller ihrer Verwandten wurde ab 1933 immer schwieriger. Die Verfolgungen nahmen zu und die Arbeitsmöglichkeiten wurden weniger. Für Ruth traf z.B. das 1938 erlassene Verbot des Schulbesuchs zu; ebenso das Verbot, Spielplätze zu nutzen.

Ihr Großvater Siegfried Ren(n)berg (geb. 1879) wurde im Juni 1938 ungerechtfertigt verhaftet und in ein KZ deportiert. Das war für ihren Vater der letzte Anstoß zur Emigration. Er wanderte im Sommer 1938 nach Paraguay aus. Dort bemühte er sich, seine Frau und die Kinder nachzuholen; jedoch vergeblich. 1952 kehrte er nach Bremen zurück, wo er 1973 starb. Auch der Bruder seiner Frau, Hermann Ren(n)berg (geb. 1909), wandert etwas später mit seiner Familie nach Paraguay aus. Sie kamen 1950 nach Bremen zurück.

Im Sommer 1938 zog Ruths Mutter mit ihr und ihren drei Geschwistern zu ihren Eltern in das 1927 erbaute Haus Admiralstraße 23 im Bremer Stadtteil Findorff.

Am 10. November 1938 wurde der Großvater erneut verhaftet, wiederum in ein KZ verschleppt und erst im Dezember entlassen. Daraufhin flüchtete er Mitte März 1939 nach Brüssel / Belgien. Im Mai 1940 wurde er dort verhaftet, in das Lager Gurs in Frankreich deportiert, anschließend in das KZ Auschwitz verschleppt und dort 1942 ermordet.

Ruths älterer Bruder Kurt, der im März 1940 gemeinsam mit der Großmutter Minna Ren(n)berg (geb.1881) nach Belgien flüchtete, wurde dort 1942 aus dem Sammellager Malines/Mechelen nach Auschwitz deportiert, wo er am 16.9.1942 ermordet wurde. Ihre Großmutter ist nach der Besetzung des Landes durch die deutsche Wehrmacht von Belgiern versteckt und versorgt worden und überlebte die Jahre der Verfolgung. Sie kehrte nach Bremen zurück und verstarb dort 1950.

Ruth hat in ihrem kurzen Leben alle Grausamkeiten der Entrechtung, Verfolgung und Vertreibung jüdischer Menschen erlebt.

Am 18.11.1941 - im Alter von 13 Jahren - wurde sie mit ihrer Mutter und den zwei jüngeren Geschwistern in das Ghetto Minsk deportiert. Dort starben sie an den entsetzlichen Lagerverhältnissen oder bei einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen.


Verfasser:
Dr. Peter F. Zimmermann (2011)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E10332

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Minsk