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Bernhard de Haas, *1882

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Admiralstr. 23
Bremen-Findorff


Admiralstr. 23 - Weitere Stolpersteine:


Bernhard de Haas

geb. 21.12.1882 in Wildeshausen

Bernhard de Haas wurde als drittes von fünf Kindern von Abraham und Betty de Haas, geb. Neublum, verheiratet seit 1875, geboren. Er heiratete 1912 Helene Gimnicher (geb. 1883). Sie wurden Eltern von vier Kindern: Betty (geb. 1913), Erna (geb. 1920), Fritz (geb. 1925) und Ruth (geb. 1927).

Bernhard de Haas führte in Wildeshausen ein kleines Viehhandelsgeschäft und konnte sich nur schwer gegen zahlreiche Konkurrenz – zwischen 1910 und 1914 gab es sieben jüdische und sechs christliche Viehhändler in dem Ort – behaupten. Einen Nebenverdienst suchte er mit einem Produktenhandel (landwirtschaftliche Produkte wie Viehfutter, Getreide u.ä.) zu erlangen.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde er eingezogen, 1917 mit dem „Eisernen Kreuz“ ausgezeichnet und kehrte nach Kriegsende zurück. Wieder war er als Viehhändler tätig. Die Inflation in Deutschland belastete den Fortgang der Geschäfte schwer, ebenso die Wirtschaftkrise Ende der 1920er Jahre. 1929 kam es zur Zwangsversteigerung seines Hauses, für dessen Kauf er sich 1910 hoch verschuldet hatte. Das Haus blieb in Familienbesitz, da seiner Ehefrau Helene der Erwerb gelang. Doch 1933 geriet es erneut in die Zwangsversteigerung. Die wirtschaftliche Situation der Familie verschlechterte sich weiter. Darum verließen die älteren Töchter Betty und Erna Wildeshausen und gingen nach Lübeck. Sie emigrierten später über England in die USA.

Schon seit Beginn des 18. Jahrhunderts lebten Juden in Wildeshausen. Infolge der 1933 beginnenden Verfolgungen lebten im Herbst 1939 nur noch zehn jüdische Menschen in dem Ort.

Im März 1940 wurden Bernhard und Helene de Haas aufgefordert, mit ihren Kinder Fritz und Ruth ihren Heimatort zu verlassen. Wildeshausen sollte eine „judenfreie“ Gemeinde werden. Sie zogen nach Bremen in die Admiralstraße 23; das Haus befand sich im Besitz der Schwester von Bernhard de Haas, Minna Ren(n)berg und deren Ehemann Siegfried Ren(n)berg.

Am 18.11.1941 wurden Bernhard, Helene, Fritz und Ruth de Haas von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurden sie ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer.

Auch seine beiden Brüder Moritz und Iwan wurden in Minsk ermordet; sein Bruder Siegmund fiel in Riga der Verfolgung zum Opfer; seine Schwester Minna floh nach Belgien und überlebte. Sie starb 1950 in Bremen.


Verfasser:
Dr. Peter F. Zimmermann (2012)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E9874
Meiners, Werner: Geschichte der Juden in Wildeshausen, Oldenburg 1988

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Judenvertreibung Ostfriesland / Oldenburg
Glossarbeitrag Minsk

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