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Moritz de Haas, *1884

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Admiralstr. 23
Bremen-Findorff


Admiralstr. 23 - Weitere Stolpersteine:


Moritz de Haas

geb. 7.7.1884 in Wildeshausen

Moritz de Haas wurde als letztes der sechs Kinder von Abraham de Haas und und seiner Ehefrau Betty, geb. Neublum, geboren. 1911 heiratete er Sophie von der Zyl aus Weener (geb. 1883). Die Ehe blieb kinderlos und sie adoptierten Carl de Haas (geb. 7.3.1912 in Werlte). Er war der jüngste Sohn des ältesten Bruders von Moritz de Hass, Siegmund (geb. 1876) und seiner Ehefrau Emma geb. Frank. Diese starb ein halbes Jahr nach seiner Geburt am 1.9.1912.

Moritz de Haas arbeitete als Schlachter und Viehhändler in Wildeshausen bis zu seiner Vertreibung 1940. Am Ersten Weltkrieg nahm er vom Beginn an teil. Während seiner Abwesenheit kaufte seine Ehefrau ein Wohn- und Geschäftshaus, in dem Moritz de Haas später seine Schlachterei einrichtete. Er erwarb einen Transport-Lkw und war in seinen Geschäften sehr erfolgreich, was Neid und antisemitische Verleumdungen auslöste. 1919 zählte er zu den Bürgern in Wildeshausen mit dem höchsten Einkommen. Sein Sohn Carl half ihm im Geschäft.

Auch in der jüdischen Gemeinde war Moritz de Haas seit 1914 aktiv; 1919 wurde er zum Vorsteher der Gemeinde gewählt und war einer ihrer wichtigsten finanziellen Unterstützer. Sein Bruder Bernhard de Haas war Beisitzer im Gemeindevorstand.

Die Wirtschaftskrise und der 1933 einsetzende Boykott jüdischer Geschäfte verschlechterten die wirtschaftliche Lage von Moritz de Haas und seiner Familie. Gezielte Verfolgungen, Geldstrafen und Inhaftierungen ruinierten sein Geschäft; der Betrieb wurde zwangsversteigert und ihm wurde die Konzession entzogen. Dadurch wurde er arbeitslos. Ab März 1939 wurden arbeitslose jüdische Männer zur Arbeit zwangsverpflichtet; Moritz de Haas wurde bei der Hunte-Begradigung eingesetzt.

Seit Beginn des 18. Jahrhunderts lebten Juden in Wildeshausen. Infolge der 1933 beginnenden Verfolgungen lebten im Herbst 1939 nur noch zehn Juden in dem Ort.

Im März 1940 wurden Moritz und Sophie de Haas aufgefordert, ihren Heimatort zu verlassen. Wildeshausen sollte eine „judenfreie“ Gemeinde werden. Sie zogen nach Bremen in die Admiralstraße 23. Das Haus befand sich im Besitz der Schwester von Moritz de Haas, Minna Ren(n)berg und ihres Mannes Siegfried Ren(n)berg. Ein weiterer Bruder von ihm, Bernhard de Haas, und seine Familie wurden zur gleichen Zeit ebenfalls aus Wildeshausen vertrieben und zogen in der Admiralstraße 23 in das Haus ihrer Verwandten ein. Am 6.4.1940 verließen die letzten Juden Wildeshausen.

Am 18.11.1941 wurden Moritz und Sophie de Haas von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurden sie ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer.

Auch seine beiden Brüder Bernhard (geb. 1882) und Iwan (geb. 1877) wurden in Minsk ermordet; sein Bruder Siegmund (geb. 1876) fiel in Riga der Verfolgung zum Opfer; seine Schwester Minna floh nach Belgien und überlebte. Sie starb 1950 in Bremen.

Der mit einer Nichtjüdin verheiratete Sohn Carl de Haas wurde noch am 13.2.1945 aus Bremen mit seinem Sohn Helmut (geb. 1935) nach Theresienstadt deportiert. Beide überlebten das Ghetto und wurden 1945 befreit.


Verfasser:
Dr. Peter F. Zimmermann (2011)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E9874
Meiners, Werner: Geschichte der Juden in Wildeshausen, Oldenburg 1988.
www.lemmermann-genealogie.de/juden.pdf

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Judenvertreibung Ostfriesland / Oldenburg
Glossarbeitrag Minsk
Glossarbeitrag Theresienstadt

Biografie als PDF