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Kurt Neublum, *1925

Flucht 1939 nach Belgien
ermordet in Auschiwtz


Admiralstr. 23
Bremen-Findorff


Admiralstr. 23 - Weitere Stolpersteine:


Kurt Neublum

geb. 31.1.1925 in Bremen

Kurt Neublum wurde als erstes Kind von Erich Neublum (geb. 1900) und Bertha geb. Ren(n)berg (geb. 1906) geboren. Ihm folgten drei Geschwister: Ruth (geb. 1928), Siegfried (geb. 1935) und Albert (geb. 1937).

Der Vater arbeitete als Schlachter und Fleischer; seine Mutter verkaufte die Fleischwaren Nach der Auswanderung seines Vaters im August 1938 zog seine Mutter mit ihm und seinen drei Geschwistern zu ihrer Mutter Minna Ren(n)berg (geb. 1881) in das elterliche Haus in der Admiralstraße 23.

Kurt durfte nach dem Verbot des Schulbesuchs für jüdische Kinder 1938 nicht mehr am Unterricht teilnehmen, nachdem ihm vorher u.a. auch der Besuch von Spielplätzen verboten war.

Sein Großvater Siegfried Ren(n)berg (geb. 1879) wurde erstmals im Juni 1938 verhaftet und in das KZ Sachsenhausen eingeliefert (erneut im November desselben Jahres). Als Reaktion auf die erste Verhaftung des Schwiegervaters und weitere Verfolgungen wanderte sein Vater im August 1938 nach Paraguay aus. Sein Bemühen, die Familie nachzuholen, war erfolglos. Auch sein Onkel Hermann Ren(n)berg (geb. 9.10.1909) wurde im Sommer 1938 verhaftet und emigrierte im Dezember 1938 ebenfalls nach Paraguay.

Sein Großvater floh 1939 nach Belgien und lebte in Brüssel. In einem Brief vom 11.8.1939 schrieb er aus Brüssel an Bekannte, dass Hermann Ren(n)berg, sein Sohn, der inzwischen in Montevideo (Uruguay) lebte, alle Papiere für eine Einreise von Kurt zusammen bekommen habe und sie bereits in Hamburg seien und er wohl „dieser Tage“ nach Montevideo abreisen würde. „…hoffentlich glückt’s“. Warum er diese Möglichkeit zur Flucht nicht nutzen konnte, ist nicht bekannt.

Am 12.3.1940 flüchtete Kurt Neublum, 15 Jahre alt, gemeinsam mit seiner Großmutter Minna Ren(n)berg nach Belgien. Bei seiner Anmeldung in das Judenregister am 6.12.1940 gab Kurt als Tag seiner Ankunft in Brüssel den 9.5.1940 an.

Kurt Neublum erhielt vermutlich Anfang August 1942 einen „Arbeitseinsatzbefehl“. Er hatte sich in der Kaserne Dossin in Malines/Mechelen zur "Ableistung von Zwangsarbeit" einzufinden. Dieser Aufforderung kam er nach ohne verhaftet gewesen zu sein. Er wurde als Nr. 577 auf der ersten Transportliste von Mechelen eingetragen. Als Beruf gab er Mechaniker-Lehrjunge an. Seine Deportation fand am 4.8.1942 statt. Der Zug erreichte Auschwitz am 5.8.; dort wurde er für den Arbeitseinsatz selektiert. Bereits am 16.9.1942 war er ermordet.

Die Großmutter wurde nach der deutschen Besetzung des Landes von Belgiern versteckt und versorgt und überlebte die Jahre der Verfolgung. Sie starb 1950 in Bremen. Sein Großvater war bereits im Mai 1940 von belgischen Behörden als „verdächtiger Ausländer“ verhaftet worden. Er wurde 1942 von Drancy aus nach Auschwitz deportiert, wo er ermordet wurde.


Verfasser:
Peter Christoffersen, Dr. Peter F. Zimmermann (2012)

Informationsquellen:
Auskünfte von Familienangehörigen
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E10327
Memorial and Museum Auschwitz-Birkenau, Sterbebücher
Archiv Kazerne Dossin

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Malines / Mechelen
Glossarbeitrag Auschwitz