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Sophie de Haas, geb. von der Zyl, *1883

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Admiralstr. 23
Bremen-Findorff


Admiralstr. 23 - Weitere Stolpersteine:


Sophie de Haas

geb. 5.3.1883 in Weener

Sophie de Haas, als Sophie von der Zyl in Weener im südwestlichen Ostfriesland geboren, heiratete 1911 Moritz de Haas (geb. 1884) und lebte seitdem mit ihrem Ehemann in dessen Geburtsort Wildeshausen. Die Ehe blieb kinderlos und sie adoptierten Carl de Haas (geb. 7.3.1912 in Werlte). Er war der jüngste Sohn des ältesten Bruders von Moritz de Hass, Siegmund (geb. 1876) und seiner Ehefrau Emma geb. Frank. Diese starb ein halbes Jahr nach seiner Geburt am 1.9.1912.

Moritz de Haas arbeitete als Viehhändler und Schlachter. Am Ersten Weltkrieg nahm er vom Beginn an bis zum Ende 1918 teil. Seine Ehefrau Sophie erwarb in dieser Zeit ein Wohn- und Geschäftshaus, in dem Moritz de Haas später seine Schlachterei einrichtete. Er erwarb einen Lkw für Transporte und war in seinem Geschäft sehr erfolgreich. Das löste in dem Ort starken Neid und antisemitische Verleumdungen aus. 1919 zählte er zu den Einwohnern von Wildeshausen mit dem höchsten Einkommen. Sein Sohn Carl half ihm im Geschäft.

Seit 1914 war er in der jüdischen Gemeinde aktiv; 1919 wurde er zum Vorsteher der Gemeinde gewählt. Das erlaubt die Vermutung, dass Sophie de Haas einen streng koscheren Haushalt führte und soziale Aufgaben als Gattin des Gemeindevorstehers zu erfüllen hatte.

Die Wirtschaftskrise und der 1933 einsetzende Boykott jüdischer Geschäfte verschlechterten die wirtschaftliche Lage von Sophie und Moritz de Haas. Gezielte Verfolgungen, Geldstrafen und Inhaftierungen ruinierten sein Geschäft und machten ihn arbeitslos. Ab März 1939 wurden arbeitslose jüdische Männer zwangsverpflichtet; Moritz de Haas wurde bei der Hunte-Begradigung eingesetzt.

Im März 1940 wurden Moritz und Sophie de Haas aufgefordert, ihren Heimatort zu verlassen. Wildeshausen sollte eine „judenfreie“ Gemeinde werden. Sie zogen nach Bremen in die Admiralstraße 23. Das Haus befand sich im Besitz der Schwester von Moritz de Haas, Minna Ren(n)berg und ihres Mannes Siegfried Ren(n)berg. Ein weiterer Bruder von Moritz de Haas und Minna Ren(n)berg, Bernhard de Haas, und seine Familie wurden zur gleichen Zeit ebenfalls aus Wildeshausen vertrieben und zogen in der Admiralstraße 23 in das Haus ihrer Verwandten ein. Am 6.4.1940 verließen die letzten Juden Wildeshausen.

Am 18.11.1941 wurden Moritz und Sophie de Haas von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurden sie ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer.

Der mit einer Nichtjüdin verheiratete Sohn Carl de Haas wurde noch am 13.2.1945 aus Bremen mit seinem Sohn Helmut (geb. 1935) nach Theresienstadt deportiert. Beide überlebten das Ghetto und wurden 1945 befreit.


Verfasser:
Dr. Peter F. Zimmermann (2011)

Informationsquellen:
Auskünfte von Familienangehörigen
Staatsarchiv Bremen Akte 4,54-E 9931
Meiners, Werner: Geschichte der Juden in Wildeshausen, Oldenburg 1988.
www.lemmermann-genealogie.de/juden.pdf

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Judenvertreibung Ostfriesland / Oldenburg
Glossarbeitrag Minsk
Glossarbeitrag Theresienstadt

Biografie als PDF