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Bernhard Frank, *1864

deportiert 1942 nach Theresienstadt
ermordet in Treblinka


Schwachhauser Heerstr. 18/Ecke Parkstr.
Bremen-Schwachhausen
ehemalige Straßenbezeichnung: Parkstr. 1


Schwachhauser Heerstr. 18/Ecke Parkstr. - Weitere Stolpersteine:


Bernhard Frank

geb. 23.5.1864

Bernhard Frank wurde in Großendorf (heute Rahden/Waldeck) geboren. Seine Eltern waren Leffmann Bernhard Frank (geb. 1822 in Rahden) und Henriette Bella Oldenburg (geb. 1825 in Lüdenhausen). Er wuchs mit mehreren Geschwistern auf.

Bernhard Frank wurde Viehhändler. Er war dreimal verheiratet, die beiden ersten Ehe- frauen waren Schwestern und starben in jungen Jahren. In dritter Ehe heiratete er 1869 Laura Goldberg (geb. 1869). Alle Ehen blieben kinderlos. Daher setzte er durch einen Erbvertrag seinen Neffen Richard Frank zum alleinigen Erben ein. Letzterer war der Sohn seines jüngeren Bruders Julius (geb. 1867), der ebenfalls Viehhändler geworden war. Er war verheiratet mit Rosa Jacobs und hatte sechs Kinder.

Richard Frank heiratete 1925 in Laer bei Münster Else Heimbach. Nach der Eheschließung zogen sie nach Kleinendorf zu Richard Franks Eltern. Hier kamen die Söhne Günther (1926) und Hans (1927) zur Welt. 1930 zog die Familie nach Rahden, wo sie mit seinem Onkel Bernhard und dessen Ehefrau Laura in einem Haus lebten. Hier wurde 1936 der jüngste Sohn Rolf geboren. Bernhard Franks Ehefrau Laura starb 1937.

In der Reichspogromnacht 1938 verbreiteten SA-Männer in Rahden Angst und Schrecken; sie zogen durch die Straßen und zerstörten jüdische Geschäfte. Am Haus der Franks wurden die Fensterscheiben eingeschlagen und die Hauswände beschmiert. Bernhard und Richard Frank wurden am 12.11.1938 verhaftet und im KZ Buchenwald interniert. Dort wurden sie misshandelt und mit der Auflage entlassen, ihren Besitz zu verkaufen und auszuwandern. Bernhard Frank wurde bereits nach einer Woche aus der Haft entlassen, Richard Frank dagegen erst nach fünf Wochen.

Bernhard Frank veräußerte das Anwesen. Nach Übergabe des Besitzes an einen Schlachter, der das Haus unter Marktpreis erwarb, zog er mit der Familie seines Neffen Richard nach Bremen. Sie waren gezwungen, in das„Judenhaus“ in der Legion-Condor-Straße 1 (vor 1939 Parkstraße 1, heute Schwachhauser Heerstraße 18/Ecke Parkstraße) einzuziehen. Im Haus lebten bereits ein Bruder und eine Schwester von Richards Frau Else.

Der 78-jährige Bernhard Frank wurde am 23.7.1942 von Bremen aus über Hannover in das Ghetto Theresienstadt und am 26.9.1942 weiter in das Vernichtungslager Treblinka deportiert. Dort wurde er am 28.9.1942 ermordet.

Richard und Else Frank wurden mit ihren Kindern am 18.11.1941 in das Ghetto Minsk deportiert (siehe Biografien A-Z).

Vor dem ehemaligen Haus der Franks in der Lemförder Straße 2 in Rahden wurden 2015 Stolpersteine zur Erinnerung an Bernhard Frank und die Familie seines Neffen Richard verlegt.

Verfasserin:
Wiltrud Ahlers (2017)

Informationsquellen:
Ester-Hartke, Ursula/Dettke, Arndt: Sie lebten mitten unter uns. Spurensuche Juden in Rahden, Hauptschule Rahden 1997 Aschoff, Diethard/Möllenhoff, Gisela: Fünf Generationen Juden in Laer, Leben und Schicksal der Juden in einer westmünster- ländischen Kleinstadt. Mit einem autobiographischen Beitrag von Irmgard Ohl, geb. Heimbach, Münster 2007
Interview mit Hans Frank und seiner Ehefrau Ronit 2011 in Israel

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag "Arisierung"
Glossarbeitrag Novemberpogrom
Glossarbeitrag Treblinka