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Regine Frank, geb. Meyer, *1866

deportiert 1942 nach Theresienstadt
tot 27.5.1943


Schwachhauser Heerstr. 18/Ecke Parkstr.
Bremen-Schwachhausen
ehemalige Straßenbezeichnung: Parkstr. 1


Schwachhauser Heerstr. 18/Ecke Parkstr. - Weitere Stolpersteine:


Regine Frank

geb. 1.2.1866

Die Franks waren eine alteingesessene jüdische Familie in Delmenhorst. Bereits 1802 erscheint der Name Frank in Delmenhorster Dokumenten. Der Nachfahre Moritz Leeser Frank wurde 1856 geboren. Er war Viehhändler mit Grundbesitz an Wiesen und Weiden, auf denen er auch Viehwirtschaft betrieb. 1887 heiratete er die aus Vörden stammende Regine Meyer. Das erste Kind des Ehepaares starb im Kleinkindalter. Weitere Kinder waren Emil Seckel (1891), Helene (1893) und Georg (1897).

Moritz Franks Ehefrau Regine stand ihrem Mann tatkräftig zur Seite, denn kurz vor seinem Tod (1926) wurde sie bereits 1925 in Delmenhorst als „steuerpflichtige Jüdin“ gelistet. Die Liste war gestaffelt nach abzuführender Steuerhöhe, sie stand an elfter Stelle von insgesamt 52 aufgeführten Steuerpflichtigen.

Aus demselben Jahr stammt auch eine Liste der in diesen Haushalten lebenden „Nicht steuerpflichtigen erwachsenen Mitglieder mit geringem oder ohne Einkommen“. Dazu gehörte der jüngste Sohn Georg. Die Bezeichnung „Haussohn“ und die unerwähnten Geschwister lassen den Schluss zu, dass Georg eines Tages das väterliche Unternehmen weiterführen würde. Sein Bruder Emil bestätigte in den 1950er Jahren, dass Georg das väterliche Erbe antrat und das Unternehmen weiterführte. Die Firmenbezeichnung für seinen landwirtschaftlichen Betrieb und Viehhandel war „Moritz Frank – Inh. Georg Frank“.

Georg Frank hatte die Realschule abgeschlossen und diente ab 1915 im Ersten Weltkrieg. 1916 wurde er an der Ostfront schwer verwundet und verlor ein Auge. Nach dem Tod des Vaters übernahm er 1926 den Betrieb. Unter anderem besaß er ein Pferdefuhrwerk und ein Motorrad. Er betrieb Milchwirtschaft und handelte überwiegend mit Zuchtvieh, zum Teil mit Schlachtvieh. Zur Sicherung des reibungslosen Geschäftsbetriebs stellte ihm die Oldenburgischer Landesbank permanent einen Kredit zur Verfügung.

Es ist dokumentiert, dass Georg Frank nach der Machtübernahme durch die National- sozialisten Einschränkungen bei der Ausübung der Erwerbstätigkeit hinnehmen musste. Seine Firma erlosch im März 1939. Wie die meisten jüdischen Männer wurde Georg Frank in der Reichspogromnacht 1938 verhaftet, deportiert und mehrere Wochen im KZ Sachsenhausen interniert.

Eine Cousine der Familie berichtete 1962 im Rahmen eines Entschädigungsverfahrens, im Haus der Franks habe es unter anderem ein Kontor, einen Salon, Arbeits- und Esszimmer,
sowie ein eigenes Zimmer für jedes der drei Kinder gegeben. Sie meinte, die Franks hätten das größte Milchgeschäft am Ort gehabt und über großen Grundbesitz verfügt.

Georg und seine verwitwete Mutter Regine blieben zunächst bis Frühjahr 1940 in Delmen- horst in ihrem Haus in der Rosenstraße 18. Im Frühjahr 1940 wurden sie aus Delmenhorst vertrieben und kamen in Bremen im „Judenhaus“ Franz-Liszt-Straße 11a unter. Im selben Haus wohnte bereits der Uhrengroßhändler Max Meyer, ein Verwandter von Regine Frank. Im Januar 1941 wurden das Haus und der übrige Grundbesitz in Delmenhorst per Vertrag und zu einem diktierten Preis an die Stadt verkauft. Aus dem Verkaufserlös wurde die Hypothek abgelöst und die Judenvermögensabgabe entrichtet. Das Wiesen- und Weideland aus dem Besitz der Familie Frank wurde von der Stadt Delmenhorst verpachtet.

Anfang 1941 zogen die Franks von der Franz-Liszt-Straße in das „Judenhaus“ in der Le- gion-Condor-Straße 1 (vor 1939 Parkstraße 1, heute Schwachhauser Heerstraße 18/Ecke Parkstraße) um.

Mutter und Sohn wurden am 23.7.1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Regine Frank starb dort am 23. 5.1943, Georg Frank am 22.2.1944.
Regine Franks Sohn Emil und Tochter Helene konnten in die USA emigrieren.

Verfasserin: Kornelia Renemann (2017)

Informationsquellen:
StA Bremen Einwohnermeldekartei, 4,54-E4423, 4,54-E10840
Meyer, Enno: Geschichte der Delmenhorster Juden, Oldenburg 1985

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Novemberpogrom
Glossarbeitrag Sachsenhausen
Glossarbeitrag Theresienstadt
Glossarbeitrag "Judenhäuser"