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Fanny ten Bosch, geb. Katz, *1887

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Schwachhauser Heerstr. 18/Ecke Parkstr.
Bremen-Schwachhausen
ehemalige Straßenbezeichnung: Parkstr. 1


Schwachhauser Heerstr. 18/Ecke Parkstr. - Weitere Stolpersteine:


Fanny ten Bosch

geb. 11.7.1887

Fanny ten Bosch, geb. Katz, wurde in Silixen geborenen. Ihr Vater war der Handelsmann Samuel Katz, ihre Mutter Setta Weinberg, beide aus Silixen/Kreis Lippe. Fanny heiratete am 15.9.1908 Abraham ten Bosch. Dieser wurde am 21.6.1881 in Aalten in den Niederlanden geboren. Sein Vater war Jakob ten Bosch, seine Mutter war Lena de Groot. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor: Karl Alfred Salomon (geb. 20.10.1909), Ernst Jakob (Ruwen) (geb. 27.12.1911) und Helene (geb. 3.10.1920).

Die Familie war jüdischen Glaubens. Sie wohnte zunächst in Bocholt und zog 1936 nach Bremen in die Düsternstraße 119. In den letzten zweieinhalb Monaten vor ihrer Deportation war sie im "Judenhaus" Legion-Condor-Straße 1 (vor 1939 Parkstraße 1, heute Schwachhauser Heerstraße 18/Ecke Parkstraße) untergebracht.

Abraham ten Bosch war Malermeister und führte von 1905 bis 1936 einen florierenden Malereibetrieb in Bocholt. Die Wiedereröffnung seines Betriebes in Bremen litt unter den antijüdischen Boykottmaßnahmen, und er musste ihn 1938 abmelden. Die Familie wurde wegen ihres jüdischen Glaubens verfolgt. Bereits im Zusammenhang mit der Pogromnacht am 9./10.11.1938 wurde Abraham ten Bosch mit den beiden Söhnen Ernst und Karl in das KZ Sachsenhausen verschleppt; sie konnten aber gegen Jahresende nach Bremen zurückkehren. Die Tochter Helene war vom 3.3.1937 bis zum 8.11.1941 in Berlin gemeldet. Dort machte sie am Jüdischen Krankenhaus eine Ausbildung zur Krankenpflegerin. Nachdem die Deportation ihrer Eltern bekannt wurde, kam sie nach Bremen zurück und schloss sich ihnen an. Am 18.11.1941 erfolgte die Deportation von Abraham und Fanny ten Bosch und der damals kaum 21 Jahre alten Tochter Helene in das Ghetto Minsk. Sie wurden ermordet: Sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen zum Opfer, die Ende Juli 1942 begannen.

Die beiden Söhne, die wie der Vater das Malerhandwerk erlernt hatten, überlebten. Karl ging 1939 mit seiner Frau Gertrude Lowenberg (geb. 1911 in Rehburg) nach England und von dort in die USA. Ernst (Ruwen) meldete sich 1955 aus Israel, um einen Antrag auf Entschädigung zu stellen. Er schrieb u.a.: "Nachdem ich im Frühjahr 1939 nach Palästina ausgewandert war, stand ich mit meinen Eltern ununterbrochen in brieflicher Verbindung. Den letzten Rote-Kreuz-Brief erhielt ich ca. 1941. Dann blieben diese aus. Dies war ihr letztes Lebenszeichen. Seither sind sie verschollen."

Verfasser: Günter Kleinen (2017)

StA Bremen 4,54-E9950, 4,54-E9951, 4,54-E11313, Einwohnermeldekartei; Auskünfte Ann Asher (Angehörige)

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag "Judenhäuser"
Glossarbeitrag Novemberpogrom
Glossarbeitrag Sachsenhausen