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Sara Schachtel, geb. Simon, *1876

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Nordstr./in Höhe der Haltestelle Grenzstr.
Bremen-Walle
ehemalige Straßenbezeichnung: Nordstr. 210


Nordstr./in Höhe der Haltestelle Grenzstr. - Weitere Stolpersteine:


Sara Schachtel

geb. 5.3.1876 in Pakosch

Sara Schachtel, geb. Simon, war seit 1898 mit dem Kaufmann und Klempnermeister Isidor Schachtel (geb. 1.5.1871 in Znin) verheiratet. Er verstarb am 12.12.1937 in Bremen und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Bremen-Hastedt begraben. Ihre Eltern waren Meier Simon und seine Ehefrau Pauline geb. Rogowska. Die Familie lebte seit 1922 in Bremen und war seit 1923 Eigentümer des Hauses Nordstraße 210, wo sie auch wohnten.

Aus der Ehe gingen die Söhne Martin (geb. 1899 in Znin, gefallen im Ersten Weltkrieg am 1.6.1918), Alfred (geb. 1906 in Znin) und Siegbert (geb. 1911 in Znin), sowie die Tochter Paula (geb. 1901 in Znin), hervor.

Isidor Schachtel betrieb in der Nordstraße 210 ein Lederwarengeschäft, das nach seinem Tode von der Witwe weitergeführt wurde. Sie verkauften insbesondere Materialien für die Anfertigung und Ausbesserung von Schuhen.

In der Broschüre der Kreisleitung der NSDAP (1935) "auch dich geht es an" wurde auch zum Boykott seines Geschäftes aufgerufen. Ein Zeitzeuge erinnerte sich, dass am 10. November 1938 die Schaufensterscheiben eingeschlagen waren und im Schaufenster ein Zettel mit der Aufschrift "Die Rache des Volkes" lag. Aufgrund der zurückgehenden Umsätze wurde das Geschäft mit der Abmeldung am 29.12.1938 geschlossen. Weiter befand sich das Haus Kreuzstraße 30 im Ostertor im Besitz des Ehepaares.

Das Haus in der Nordstraße 210 wurde ab 1941 von den Behörden als "Judenhaus" eingesetzt. Kurz vor der Deportation der Eigentümerin nach Minsk wurde das Haus am 10.11.1941 entschädigungslos zugunsten des Deutschen Reiches eingezogen. Die letzten jüdischen Bewohner wurden am 23.7.1942 nach Theresienstadt deportiert. Am 18.8.1944 wurde es durch Bomben zerstört.

Ihr Haus in der Kreuzstraße 30 wurde bereits 1939 in einem Zeitungsinserat vom Geld- u. Häusermakler Sippel zum Kauf angeboten. Die "Arisierung" fand am 15.5.1939 statt. Der Verkaufserlös musste auf ein Sperrkonto eingezahlt werden.

Die Auswanderungspläne der Familie Schachtel scheiterten aus nicht bekannten Gründen.

Am 18.11.1941 wurde Sara Schachtel mit ihren ledigen Söhnen Albert und Siegbert von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurden sie ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer.

Ihre Tochter Paula heiratete den Studienassessor Martin Warschauer und zog mit diesem 1934 nach Berlin. Im gelang es später zu emigrieren, vermutlich aber nicht seine Ehefrau nachzuholen. Sie wohnte zuletzt in Berlin in der Neuen Roßstraße 2. Am 2.3.1943 wurde sie nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Auf dem Stolperstein von Sara Schachtel ist der Vorname nicht korrekt (Clara). Der Stein wird zu gegebener Zeit ausgetauscht werden.


Verfasser:
Manfred Runge/Peter Christoffersen (2012)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E10907, 4,54-Ra410, Einwohnermeldekartei
Staatsarchiv Bremen, "auch dich geht es an" AB-9997-2a
Eckler-von Gleich/Kühne, Juden in Walle, Bremen 1990
Bundesarchiv, Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945
Berliner Adressbuch (www.adressbuch.zlb.de)
www.weltkriegsopfer.de

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag "Judenhäuser"
Glossarbeitrag "Arisierung"
Glossarbeitrag Minsk