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Jenny Seligmann, geb. Alexander, *1868

deportiert 1942 nach Theresienstadt
ermordet in Treblinka


Nordstr./in Höhe der Haltestelle Grenzstr.
Bremen-Walle
ehemalige Straßenbezeichnung: Nordstr. 210


Nordstr./in Höhe der Haltestelle Grenzstr. - Weitere Stolpersteine:


Jenny Seligmann

geb. 10.9.1868 in Achim

Jenny Seligmann, geb. Alexander, war die Tochter von Süßkind Jacob Alexander (1832-1893) und Caroline Holländer (1846-1869). Am 12.9.1894 heiratete sie Albert Seligmann (geb. 9.5.1869 in Ronnenberg) in Achim. Das Ehepaar hatte zwei Söhne: Hugo (geb. 10.8.1895, gest. 24.9.1915) und Wilhelm (geb. 18.3.1902 in Achim).

Das Ehepaar Seligmann war 1942 aus Achim vertrieben worden.

In Achim hatte Albert Seligmann die Schlachterei des Schwiegervaters übernommen, in der später auch sein jüngerer Sohn Wilhelm tätig war. Von 1913-1932 war Albert Seligmann Obermeister der Fleischerinnung Achim.

Aufgrund des Boykotts jüdischer Geschäfte und Betriebe unter dem NS-Regime litt auch die Firma Seligmann sehr, da ihr zur Schlachtung kein Vieh mehr zugeteilt wurde. Im März 1937 wurde Seligmanns Betrieb nach einer Denunziation wegen angeblicher Steuerhinterziehung polizeilich geschlossen. Er wurde zu einer Geldstrafe von 1.800 RM verurteilt. Wegen "Fehlens der erforderlichen Zuverlässigkeit" wurde ihm der Handel mit Fleisch- und Wurstwaren untersagt.

In jene Zeit fiel auch ein Vorkommnis, das ihre Enkelin Johanna betraf. Sie wurde von Kindern mit Steinen beworfen und als "Judensau" beschimpft. Für die Großmutter und Ehefrau Jenny Seligmann waren diese Ereignisse unerträglich. Sie unternahm einen Selbstmordversuch, wurde aber von einem Nachbarn, einem Nationalsozialisten, gerettet.

Im Morgengrauen des 10. November 1938 holte die Achimer SA alle jüdischen Männer aus ihren Häusern und verfrachtete sie in Bremen-Mahndorf in einen Zug Richtung Konzentrationslager Sachsenhausen, unter ihnen war auch Albert Seligmann.

Albert und Jenny Seligmann mussten am 27.3.1942 als letzte jüdische Familie Achim verlassen und zogen nach Bremen in das "Judenhaus" in der Nordstraße 210.

Am 23.7.1942 wurden sie in das Ghetto Theresienstadt deportiert und von dort aus am 29.9.1942 in das Vernichtungslager Treblinka, wo sie ermordet wurden.

Der Sohn Wilhelm emigrierte am 23.3.1938 mit Ehefrau Selma und Tochter Johanna in die USA nach New York, wo er sich als Hersteller von Blusen eine neue Existenz aufbauen konnte.


Verfasser:
Manfred Runge/Peter Christoffersen (2012)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E10159, Einwohnermeldekartei
www.spurensuche-bremen.de
www.geschichtswerkstatt-achim.de
Achimer Geschichtshefte, Heft 1/1988
Beermann u.a., Jüdisches Leben in Achim, Achim 1994
Bundesarchiv, Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945
www.online-ofb.de (Familiendatenbank Juden in Nordwestdeutschland)

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag "Judenhäuser"
Glossarbeitrag Theresienstadt
Glossarbeitrag Treblinka