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Carl Polak, *1901

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Nordstr./in Höhe der Haltestelle Grenzstr.
Bremen-Walle
ehemalige Straßenbezeichnung: Nordstr. 210


Nordstr./in Höhe der Haltestelle Grenzstr. - Weitere Stolpersteine:


Carl Polak

Carl Polakgeb. 13.9.1901 in Oldersum

Carl Polak war der Sohn von Jakob und Adele Polak aus Oldersum. 1927 zog er mit seiner Mutter und seinen beiden Brüdern Ludwig und Siegfried aus Oldersum nach Bremen. Carl Polak war von Beruf - wie bereits der Vater und wie auch seine Brüder - Viehhändler und Schlachter. Er heiratete am 9. 9.1932 Johanne Jacobsohn aus Kirchweyhe im Bremer Dom, da ihnen der Kirchweyher Pfarrer und Superintendent Wilhelm Goßmann den kirchlichen Segen verweigert hatte.

Am 16.7.1933 wurde ihr Sohn Otto in Bremen geboren. Er wurde christliche getauft und erzogen – galt aber nach den Bestimmungen der NS-Rassegesetze als „Halbjude“. Die Familie lebte in Kirchweyhe in dem Haus, das ihnen der Vater Johannes geschenkt hatte. Nach dem Tod seines Schwiegervaters übernahm Carl 1933 dessen Viehhandel. Als die Ehe 1937 geschieden wurde, zog er nach Bremen zu seiner Mutter in die Graudenzer Straße 45.

Sein Sohn Otto Polak blieb bei seiner Mutter Johanne Polak, die 1942 an Tuberkulose starb. Otto Polak wuchs dann bei seiner Großmutter mütterlicherseits (Hilka Jacobsohn) in Kirchweyhe auf. Er allein trug dort einen Judenstern und war tätlichen Angriffen durch die Dorfkinder ausgesetzt. Weil er die Volksschule in Kirchweyhe nicht besuchen durfte, musste er täglich mit dem Zug nach Bremen fahren, um dort die Religionsschule in der Kohlhökerstraße 6 zu besuchen, die sich von 1939-1941 hier im Jüdischen Gemeindehaus befand. Als 1941 ein Schulausflug angekündigt wurde, benachrichtige ein Lehrer die Großmutter, sie möge verhindern, dass Otto an dem Ausflug teilnähme. Die Kinder würden deportiert. Sie behielt ihn zu Hause. Er entging so der Deportation in das Ghetto Minsk am 18.11.1941. Alle anderen Kinder der Religionsschule wurden dorthin deportiert. Keines kehrte zurück.

Im Februar 1945 drohte Carl Polaks Sohn Otto ein weiteres Mal die Deportation. Ein Dorfpolizist informierte die Großmutter, Otto solle in einer Woche abgeholt und nach Theresienstadt verschleppt werden. Erneut versuchte sie alles, um dies zu verhindern. Sie bot den Leuten sogar eines ihrer Häuser an. Als letzte Hoffnung wandte sie sich an ihren Hausarzt Dr. Folkard Willms, der für den Jungen eine Salbe verschrieb, die Ausschlag am ganzen Körper verursachte, und der ein entsprechendes Attest ausstellte. Die Erkrankung verhinderte erneut seine Deportation.

Sein Vater Carl Polak und seine Großmutter Adele mussten 1939 in das "Judenhaus" in der Nordstraße 210 ziehen.

Am 18.11.1941 wurden Carl und Adel Polak von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurden sie ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer.

Der Lebensweg von Carl Polaks Geschwistern Siegfried, Therese und Elise endet ebenfalls in Minsk, das Schicksal seiner Schwestern Emma und Dora ist nicht bekannt. Lediglich sein Bruder Ludwig überlebte die Shoah.

Die Gemeinde Weyhe benannte 1995 zum Gedenken an Carl Polak eine Straße nach ihm und ernannte 2012 seinen Sohn Otto Polak zum Ehrenbürger.


Verfasserin:
Edith Laudowicz (2012)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E10898
Ilse Zelle (Hrs.), Otto Polak, Leben und Schicksal eines Christen jüdischer Herkunft, Bremen 2002
Jolina Olma, Biografie Otto Polak, Seminararbeit an der KGS Stuhr-Brinkum 2007
www.denktag-archiv.de/Zeitzeuge.2856.0.html

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag "Judenhäuser"
Glossarbeitrag Minsk