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Gertrud Roer, geb. geb.Scheurenberg, *1906

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Nordstr./in Höhe der Haltestelle Grenzstr.
Bremen-Walle
ehemalige Straßenbezeichnung: Nordstr. 210


Nordstr./in Höhe der Haltestelle Grenzstr. - Weitere Stolpersteine:


Gertrud Roer

geb. 24.8.1906 in Frille

Gertrud Roer, geb. Scheurenberg, war die Tochter von Rudolf Scheurenberg (geb. 1871 in Frille) und seiner Ehefrau Goldine, geb. Wallhausen (geb. 1868 in Lüthorst).

Mit Walter Roer (geb. 1907 in Barkhausen) war sie seit dem 20.11.1936 verheiratet. Das Ehepaar lebte zunächst in Frille, wo auch der Sohn Reinhold 1938 zur Welt kam.

Gertrud Roer war Verkäuferin und Hausfrau. Ihr Ehemann hatte ein Textiliengeschäft. Aufgrund des Boykotts jüdischer Geschäfte und Betriebe ging der Umsatz erheblich zurück. Nach dem Verlust des Geschäftes musste Walter Roer Bauarbeiten verrichten, wobei er einen Unfall erlitt, so dass er nur noch begrenzt arbeitsfähig war.

In der Pogromnacht 1938 wurde Walter Roer verhaftet und war vom 12.11.1938 - 23.12.1938 im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert. Gertrude Roer und ihre Mutter Goldine Scheurenberg wurden misshandelt und beraubt. Ihr Ehemann wurde mit der Auflage, die Auswanderung voranzutreiben, aus dem KZ entlassen. Alle Auswanderungspläne scheiterten jedoch aufgrund fehlender Devisengenehmigungen.

Die Familie Roer wohnte mit Gertruds Mutter Goldine Scheurenberg zusammen in Minden, wo sie ein Haus besaß. Aus diesem wurden sie gewaltsam vertrieben und flüchteten nach Köln, dem Wohnort der Schwester Gertruds, Henny. Nach kurzer Zeit wurde ihnen auch in dieser Stadt der Aufenthalt verwehrt. Am 21.10.1939 kamen sie daher nach Bremen. Hier lebten Verwandte von Gertruds Mutter, Adolf Scheurenberg, Gröpelinger Deich 50. Dort fanden sie zunächst in einem Kellerraum Unterkunft. Am 30.9.1940 zogen sie in das „Judenhaus“ in der Nordstraße 210.

Am 18.11.1941 wurden Walter Roer, seine Ehefrau Gertrud und ihr dreijähriger Sohn Reinhold von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurden sie ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer.

Gertrude Roers Geschwister Henny Schmidt, geb. Scheurenberg, sowie Erich und Else überlebten die Shoah. Ihre Schwester Rena (verh. Hirschberg) wurde mit ihrer Familie von Hannover aus nach Riga deportiert und dort ermordet.


Verfasser:
Manfred Runge (2011)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E10447
Bundesarchiv, Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945
www.mt-online.de/lokales/minden/?em_cnt=3097461&em_loc=239 (Dirks, Kossack: Zeitungen im Gleichschritt der Hetze)
www.ahnenforschung-bildet.de (Fleischerei-Adressbuch von Deutschland,1925 Westfalen)

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag "Judenhäuser"
Glossarbeitrag Minsk