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Rosa Wolf, geb. Rothschild, *1893

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Nordstr./in Höhe der Haltestelle Grenzstr.
Bremen-Walle
ehemalige Straßenbezeichnung: Nordstr. 210


Nordstr./in Höhe der Haltestelle Grenzstr. - Weitere Stolpersteine:


Rosa Wolf

Rosa Wolfgeb. am 7.9.1893 in Oldenburg i. Holstein

Röschen (gen. Rosa) Wolf war die Tochter von Andreas Rothschild (gest. 1934) und seiner Ehefrau Henriette (Jentje), geb. von der Rhoer (gest. 1942), aus Oldenburg i. Holstein. Sie lebte seit 1908 in Bremen aus Berlin kommend. Am 19.7.1921 heiratete sie den Kaufmann und Handelsvertreter Simon Richard Wolf (geb. am 21.8.1885 in Mannheim). Die Ehe blieb kinderlos.

Da Rosa Wolfs Eltern vermögend waren, erhielt das Ehepaar anlässlich der Hochzeit nicht nur eine Aussteuer, sondern auch das erforderliche Kapital zur Einrichtung eines Schuhwarengeschäfts. Am 18.10.1920 meldete Richard Wolf den Betrieb mit Sitz Vor dem Steintor 61 an. Seine Wohnung hatte das Ehepaar Wolf in der Yorckstraße 48.

Während Rosa Wolf hauptberuflich das Schuhgeschäft führte, ging Richard Wolf weiter seiner Tätigkeit als Handelsvertreter für Schuhwaren nach und bereiste den norddeutschen Raum. Mit dem Boykott jüdischer Geschäfte brach auch der Umsatz im Schuhwarengeschäft ein. In der Broschüre der Kreisleitung der NSDAP von1935 "auch dich geht es an" wurde noch zum Boykott ihres Geschäftes aufgerufen, obwohl es bereits zum 3.2.1934 abgemeldet worden war.

Am 30.8.1941 musste das Ehepaar Wolf aus seiner Mietwohnung in der Yorkstraße, in der sie seit zwanzig Jahren gelebt hatten, ausziehen. Sie wurden in das "Judenhaus" in der Nordstraße 210 eingewiesen.

Am 18.11.1941 wurden Rosa und Richard Wolf von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurden sie ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer.

Die Schwester Selma Beverstein (geb. 1884) wurde in Auschwitz ermordet, der Bruder Moritz Rothschild (geb. 1886) wurde auf den 30.4.1943 für tot erklärt, die Schwester Mathilde ter Berg (geb. 1888) kam in Minsk zu Tode. Nur die Schwester Hedwig Lohmann (geb. 1895), die in einer "Mischehe" lebte, überlebte die Shoa. Sie wurde 1945 aus dem Ghetto Theresienstadt befreit.

Verfasser:
Manfred Runge/Peter Christoffersen (2012)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E11231, Einwohnermeldekartei
Staatsarchiv Bremen, "auch dich geht es an" AB-9997-2a

Abbildungsnachweis: Privatbesitz

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag "Judenhäuser"
Glossarbeitrag Minsk