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Adele Polak, geb. Goldschmidt, *1870

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Nordstr./in Höhe der Haltestelle Grenzstr.
Bremen-Walle
ehemalige Straßenbezeichnung: Nordstr. 210


Nordstr./in Höhe der Haltestelle Grenzstr. - Weitere Stolpersteine:


Adele Polak

Adele Polakgeb. 19.5.1870 in Hamburg

Die aus Hamburg stammende Adele Polak war die Ehefrau des Viehhändlers und Schlachters Jakob Polak (geb. 2.7.1856) aus Oldersum. Sie hatten sieben Kinder: die Söhne Ludwig (geb. 1898), Siegfried (geb. 1903) und Carl (geb. 1901) sowie die Töchter Emma (geb. 1893), Dora (geb. 1884), Therese (geb. 1896) und Elise (geb. 1908).

Nach dem Tod ihres Mannes am 20.7.1915 führte Adele Polak die Schlachterei in Oldersum in der Neustadtstraße 7 fort. 1927 verließ sie mit den Söhnen Ludwig, Siegfried und Carl Oldersum. Sie zogen nach Bremen in die Graudenzer Straße 45 in eine geräumige Wohnung. Ihre vier Töchter zogen nicht mit nach Bremen.

Ihre drei Söhne waren ebenfalls Viehhändler. Carl lebte bis zu seiner Deportation bei seiner Mutter in der Graudenzer Straße 45, wo bis zu ihrer Eheschließung auch die Söhne Siegfried und Ludwig gewohnt hatten. Adele Polak und ihr Sohn Carl mussten 1939 ihr Zuhause in der Neustadt verlassen und in das "Judenhaus" in der Nordstraße 210 umziehen.

Am 18.11.1941 wurden sie von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurden sie ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer. Auch ihr Sohn Siegfried mit Familie sowie ihre Töchter Therese und Elise, verh. Wagener, kamen in Minsk um. Das Schicksal ihrer Töchter Emma und Dora ist nicht bekannt.

Von den drei Söhnen von Jakob und Adele Polak überlebte nur Ludwig den Holocaust. Er hatte die nichtjüdische Hildegard Schultz geheiratet und wohnte mit ihr und den Kindern Günther und Werner in der Hastedter Heerstraße 249. Weil er in einer "Mischehe" lebte, war er bis kurz vor Kriegsende von Deportationen zurückgestellt. Doch am 13.2.1945 wurde auch er in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort erlebte er die Befreiung und kehrte zu seiner Familie zurück. Er starb 1979 in Bremen.


Verfasserin:
Edith Laudowicz (2012)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E10898
www.online-ofb.de
Vier Jahrhunderte jüdische Geschichte in Oldersum 1606 bis 1940,Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in Oldersum, www.nordwestreisemagazin.de/juden_in_oldersum/1918_1933.htm

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag "Judenhäuser"
Glossarbeitrag Minsk